
JANA BARSCH
Philosophische Grundlage für „Fridays for Future“
ein Denkanstoß für unsere Gesellschaft
*
Regelmäßig geht mir die Frage durch den Kopf: „Möchte ich wirklich Kinder in diese Welt setzen?“. Die westliche Gesellschaft geht seit Jahrhunderten egoistisch mit der Natur um. Besonders seit Beginn der Industrialisierung wird der Umwelt so sehr geschadet wie noch nie. Die Menschheit stielt der Natur ihre Schätze, um wirtschaftlichen Profit daraus schlagen zu können. Der globale CO2-Ausstoß war 2019 so hoch wie noch nie mit knapp 37 Milliarden Tonnen (vgl. Zeit (2019): Weltweite CO2-Emission steigt langsamer. Online: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-12/studie-wachstum-co2-emission-weltweit-2019 (08.03.2020)). Durch diesen immensen Ausstoß erwärmt sich unsere Erde. Im Jahr 1880 begann die jährliche Messung der globalen Mitteltemperatur der Oberfläche. Seitdem erwärmte sich unsere Erde bereits um etwas mehr als einen Grad Celsius (vgl. NASA (2020): NASA, NOAA Analyses Reveal 2019 Second Warmest Year on Record. Online: https://www.giss.nasa.gov/research/news/20200115/ (08.03.2020)). Dieser Anstieg scheint beim ersten Lesen nicht der Rede wert zu sein, doch er bringt drastische Folgen mit sich. Das Wetter wird extremer. Die Polkappen schmelzen und lassen den Meeresspiegel kontinuierlich ansteigen. Küstenregionen und niedrig gelegene Länder werden in naher Zukunft schon unter Wasser sein. Es herrschen längere, häufigere und intensivere Dürreperioden. Diese begünstigen Brände und lassen außerdem die Ernte vertrocknen. Das führt zu wirtschaftlichen Einbußen und zu Nahrungsknappheiten. Gleichzeitig können Niederschläge stärker auftreten. In Städten und auf trockenem Boden kann dieser nur schwer abfließen. Niedrige Grundwasserstände werden häufiger, was vor allem ein Problem in wasserarmen und heißen Ländern darstellt. Die heißeren Temperaturen wirken sich besonders auf die Gesundheit der älteren und kranken Menschen aus. Die Tierwelt und Ökosysteme leiden genauso unter den Folgen (vgl. Zeit (2019): Schon 1,5 Grad mehr in Deutschland. Online: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-11/erderwaermung-temperaturanstieg-deutschland-klimawandel-folgen (09.03.2020)). Dies waren lediglich ein paar Beispiele zu Auswirkungen. Es gibt noch unzählige weitere. Ich möchte mir nicht vorstellen, was noch passieren wird, wenn wir die Erderwärmung nicht stoppen. Deshalb suchte ich nach einem nachhaltigen Ansatz, mit dem wir diesen Prozess aufhalten könnten und stieß auf die philosophische Form des Monismus. Sie sieht Mensch und Natur körperlich und geistig als eine Einheit und besagt, dass, wenn wir in die Natur eingreifen, greifen wir gleichzeitig auch in das Leben der Menschen ein (vgl. de Angelis, Marco (2016): Philosophie für alle (1.0) : Manifest für die philosophische Identität des europäischen Volkes, Möhnsee: Phileuropa: 21). Das Gegenstück dazu ist der Dualismus, in der der Mensch die Natur als Objekt außerhalb von sich betrachtet (vgl. de Angelis (2016): 24).
Die Mehrheit der Menschen lebt nach dem dualistischen System. Ich möchte in meiner Hausarbeit folgender Frage nachgehen: „Unsere dualistische Gesellschaft trägt viel zum Klimawandel bei. Könnte das Leben im Monos eine Lösung sein? Wenn ja, inwiefern?“. Dazu werde ich im ersten Teil dieser Arbeit wichtige Begriffe erklären. Anschließend werde ich die Aufgabe der Philosophie definieren, bevor ich mich der dualistischen und monistischen Gesellschaft widme. Ich möchte außerdem einen Bezug zu „Fridays for Future“ schaffen und abschließend in meinem Fazit die Leitfrage beantworten. In meiner Ausarbeitung werde ich mich hauptsächlich auf die Literatur von Marco de Angelis beziehen, da ich mich mit seinen Ansichten gut identifizieren kann.
Philosophische Begriffserklärungen
Zum Verständnis dieser Hausarbeit werde ich in diesem Kapitel einige Begriffe definieren. Jede/r Philosoph/in hat eigene Auffassungen zu Bedeutungen, deshalb möchte ich damit möglichen Unklarheiten entgegenwirken.
2.1. Philosophie
Der Begriff Philosophie leitet sich aus dem altgriechischem „philosophía“ her und bedeutet „Liebe zur Weisheit“. Die Philosophie ist eine allgemeine Wissenschaft mit vielfältigen Gegenstandsbereichen (vgl. Wikipedia (2020): Philosophie. Online: https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie (11.03.2020)). Bei Wikipedia fand ich noch folgende Definition: „In der Philosophie [...] wird versucht, die Welt und die menschliche Existenz zu ergründen, zu deuten und zu verstehen“ (ebd.). Diese Aussage hinterfrage ich kritisch, denn meiner Meinung nach umfasst die Philosophie noch mehr, wie beispielsweise die Tierethik und die Umweltethik. Diese spielen unter dem Aspekt des Dualismus und Monismus eine gewichtende Rolle. Die Philosophie lässt sich unterteilen in Theorie und Praxis. Die Theorie umfasst das Wissen und die Kenntnis der Welt, während die Praxis das menschliche Handeln und das individuelle Verständnis des Lebenssinnes einbettet. Ziel der Philosophie ist es, nach einem Stil zu leben, der sich auf die Vernunft stützt (vgl. de Angelis (2016): 9).
2.2. Vernunft
Die Vernunft ist ein wichtiger Aspekt in der philosophischen Wissenschaft. In der Philosophie werden nur Prinzipien und Wahrheiten akzeptiert, die mit der Vernunft logisch nachweisbar sind (vgl. de Angelis (2016): 11). Wir Menschen können durch Vernunft zur Erkenntnis der objektiven Welt gelangen, da wir eine geistige, bewusste Form der Vernunft besitzen. Die Natur hingegen ist vernünftig in ihrer materiellen, unbewussten Form. Es bedeutet also, dass der Mensch, nachdem er zur Erkenntnis kommt, diese mittels der Natur praktisch anwenden kann (vgl. de Angelis (2016): 21). Ein Beispiel: Der Mensch kam zur Erkenntnis, dass sich der Wind als Antriebsenergie verwenden lässt. Auf der praktischen Ebene baute der Mensch Segelschiffe und Windräder, um sich dies zum Nutzen zu machen. In diesem Prozess geht es um das Prinzip der Homogenität beider Akteure.
2.3. Monismus
Das Wort Monismus leitet sich ab vom griechischem „monos“, was so viel bedeutet, wie „allein“. Die Philosophie versteht den Monismus als Theorie, in der sich alle Vorgänge auf der Welt auf ein einziges Grundprinzip zurückführen lässt (vgl. Wikipedia (2019): Monismus. Online: https://de.wikipedia.org/wiki/Monismus (11.3.2020)). Sie setzt also die Homogenität zwischen Mensch, dem Subjekt und der Natur, dem Objekt voraus. Die Natur gilt als unser aller Ursprung. Aus ihr entspringen einfache vorherbestimmte Lebensformen, wie Moleküle und Mineralien. Sie gelten als notwendige Existenzformen. In ihr ist die unbewusste Vernunft der Naturgesetze vorhanden. Die Natur gilt aber auch als Ursprung für komplexere selbstbestimmte Lebensformen, wie die Tiere und die Menschen. Besonders der Mensch gilt als freie Existenzform, der die bewusste Vernunft der Ethik besitzt. Objekt und Subjekt zusammen werden als Monos angesehen. Dieses wird als die Rationalität des Universums bezeichnet (vgl. de Angelis (2016): 23). Der Monismus geht davon aus, dass Objekt und Subjekt verbunden sind durch ihre physische Beschaffenheit und durch ihr rational geistiges Wesen. Dieses Monos besitzt verschiedene Grade an Entwicklungsstufen (vgl. de Angelis (2016): 25).
2.4. Dualismus
Der Begriff Dualismus leitet sich aus dem lateinischen „dualis“ ab, was „zwei enthaltend“ bedeutet. Die dualistische Lehre stellt den Gegensatz zur monistischem Lehre dar. Sie geht davon aus, dass es zwei unterschiedliche und voneinander unabhängige Grundelemente gibt (vgl. Wikipedia (2019): Dualismus. Online: https://de.wikipedia.org/wiki/Dualismus (12.03.2020)). In diesem Fall beinhaltet die Lehre die Unterscheidung von Mensch und Natur, also Subjekt und Objekt. Der Mensch sieht die Natur als eine „externe“ Welt. Über die genaue Beziehung zwischen Subjekt und Objekt gibt es unterschiedliche Auffassungen. Ein paar wenige Menschen fühlen sich der Natur gegenüber machtlos. Die meisten Menschen jedoch fühlen sich der Natur übergeordnet. Obwohl sie aus der Natur ihren Ursprung haben, bezeichnen sie sich als Subjekt und grenzen sich so sprachlich vom Objekt, der Natur, ab.
3. Aufgabe der Philosophie
In der Philosophie ist es grundlegend, dass Philosoph/innen ihre langzeitigen, sich entwickelnden Gedanken und Erfahrungen publik machen und so einen Einblick in ihr inneres, geistiges Verständnis zu gewähren. Es ist wichtig, dass diese die breite Masse ansprechen und sowohl komplex als auch in einfacher Sprache geschrieben sind. Das Ziel der Philosophie ist nämlich, dass so viele Menschen wie möglich einen Lebensstil leben, der auf die Vernunft fundiert (vgl. de Angelis (2016): 10). Dabei soll sie Menschen weltweit vereinen. Marco de Angelis schreibt dazu:
„Die Aufgabe der Philosophie ist es nämlich, auf der Basis der Weltkenntnis zunächst sich selbst, aber dann auch anderen, Hinweise zu liefern, die nützlich sind, um ein weises und ausgeglichenes Leben zu führen“ (de Angelis (2016): 9).
Damit sich die Menschen gegenseitig helfen können die Welt zu verstehen, ist es wichtig zu beachten, dass alle Menschen gleichgestellt sind. Sie gelten alle als Subjekte. Auch, wenn jeder Mensch individuell ist und denkt, besitzen sie alle das Potential der absoluten Vernunft in sich, die mithilfe der Philosophie zum Vorschein gebracht werden soll. Sie soll zum einem diese Moral vermitteln, aber auch dabei helfen, sie in die Praxis umzusetzen. Die Philosophie beschäftigt sich mit dem Sinn des Lebens. Mithilfe der Ethik sollen die Menschen zur Sinneserkenntnis kommen (vgl. de Angelis (2016): 49). Die Ethik ist eine philosophische Disziplin. Sie beinhaltet die Voraussetzungen des menschlichen Handelns auf der Basis von Moral und sittlicher Normen (vgl. Duden (o. J.): Ethik. Online: https://www.duden.de/rechtschreibung/Ethik (13.03.2020)). Die Ethik lässt Menschen das Absolute in anderen Menschen erkennen. Sie sehen sich gegenseitig als rational, frei und schöpferisch an (vgl. de Angelis (2016): 49). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Aufgabe der Philosophie darin besteht, Erkenntnisse mit der Weltbevölkerung zu teilen, damit diese ihr Leben weise und vernünftig gestalten können. Sie soll die Menschen außerdem bei diesen Transformationsprozessen unterstützen.
4. Gesellschaft im Dualismus
In diesem Kapitel möchte ich mich mit den Auswirkungen beschäftigen, die eine Gesellschaft zu verantworten hat, die nach dualistischen Prinzipien lebt. Geprägt ist diese hauptsächlich durch die gegenüberstehenden Daseinsformen des Subjekts und Objekts. Die Rede hier ist vom Menschen und der Natur. Dieser fühlt sich der Natur übergeordnet und beutet sie aus für eigene Zwecke.
Zum einen greift der Mensch in die Natur ein, indem er versucht sie für sich begünstigend zu verändern. Das passiert beispielsweise durch genmanipulierten Maisanbau. Die Gene der Pflanze werden verändert, damit sie sich natürlichen Schädlingen widersetzen können (vgl. Pflanzen, Forschung, Ethik (2017): Gentechnisch veränderter Bt-Mais – In der EU vor weiteren Zulassungen, in Deutschland verboten. Online: https://www.pflanzen-forschung-ethik.de/konkret/mais.html (14.03.2020)). Dieser Prozess bringt noch weitere Vorteile für den Menschen, doch wer erlaubt es ihnen einfach in die Natur einzugreifen zu ihren Gunsten? Der Mensch greift auch in weitere Bereiche der Natur ein. Er beutet die Erde aus, um Bodenschätze zu erlangen. Viele dieser Schätze werden weiterverarbeitet und erfüllen einen Zweck. Einige dieser Schätze jedoch, wie beispielsweise Edelsteine, werden entfremdet, um sie zu verkaufen und Profit zu generieren. Diese Gier nach Reichtum hetzt selbst die übergeordneten Subjekte gegeneinander auf. So kommt es, dass einige Subjekte andere Subjekte zu Objekten herabstufen. Besonders bemerkbar machte sich dies in der Zeit des Kolonialismus. Beherrschungskolonien eroberten bestimmte Orte militärisch. Sie operierten aus wirtschaftlichen Gründen (vgl. Jansen, Jan C. (2012): Kolonialismus, München: C.H.Beck: 17). Oft wurden militärisch schwache Länder erobert und Landraub begangen. Die Gründe dafür waren dortige hochwertige Ressourcen oder optimale Standortfaktoren für den Anbau bestimmter Pflanzen und Nahrung. Die Einwohner verloren die Kontrolle über ihre eigene Lebensführung, weil sie unter externer Führung standen. Sie wurden gezwungen beim An- und Abbau zu helfen und wurden dabei teilweise versklavt (vgl. Jansen (2012): 82 f.). Alles aus Gier der Profitmaximierung und Herrschaft über Land und Leute. Heute sind viele der Länder, die durch den damaligen Kolonialismus beherrscht wurden, auf wirtschaftliche Unterstützung von Außerhalb angewiesen. Durch den dualistischen Lebensstil lassen sich in diesen Ländern noch bis heute nur wenige Strukturen finden und sie besitzen nur ein rares Angebot von Ressourcen, da sich diese nicht schnell genug regenerieren können. Auch heute lassen sich modernere Strukturen einer dualistischen Gesellschaft auf der Welt wiederfinden. Es siedeln sich reichlich Unternehmen in ressourcenhaltige Länder an und beuten sie aus. Die Unternehmen kurbeln die dortige Wirtschaft temporär an und richten Arbeitsplätze für die häufig wenig privilegierten Einwohner ein. Jedoch verlassen die Unternehmen die häufig dritte Welt Staaten, nachdem die Ressourcen aufgebraucht sind. Zurück bleibt ein ausgeschöpftes Stück Land; Arbeitnehmer, die nun ohne Beschäftigung dastehen und eine örtliche Wirtschaft, die sich diesen Einbußen stellen muss. Eine Entschädigung für den Staat, für die Einwohner gibt es nicht. Unternehmen gehen so vor, weil sie das anhaltende Wirtschaftswachstum weiterhin übertreffen wollen. Doch es kann kein anhaltendes Wachstum geben unter den Bedingungen von endlichen Ressourcen. So kommt es auch, dass sich der „Earth Overshoot Day“ immer weiter nach vorne verschiebt. Beim „Earth Overshoot Day“ geht es um das Ressourcen-Budget: „Die Menschheit hat die Ressourcen, welche die Natur in einem Jahr wiederherstellen kann, 2019 in sieben Monaten verbraucht.“, so das Umweltbundesamt (Umweltbundesamt (2019): Earth Overshoot Day 2019: Ressourcenbudget verbraucht. Online: https://www.umweltbundesamt.de/themen/earth-overshoot-day-2019-ressourcenbudget (13.03.2020)). Letztes Jahr fiel dieser auf den 29. Juli 2019. Die Weltbevölkerung lebt momentan so, als hätte sie 1,75 Erden zur Verfügung. Wenn wir so weiter leben, können sich die Ökosysteme nicht mehr generieren und wir treiben den Klimawandel voran.
Es lässt sich sagen, dass die Menschen sich in einer dualistischen Gesellschaft egoistisch gegenüber der Natur verhalten. Sie greifen in die Natur ein, verändern sie und beuten sie aus. Seit der Industrialisierung finden solche Eingriffe vermehrt statt. Die Rohstoffe werden der Erde entnommen und in klimaschädigenden Fabriken zu Endprodukten verarbeitet. Bei dieser Verarbeitung entstehen eine Menge CO2-Emissionen. Die Industrialisierung sorgte dafür, dass ein größeres, effizienteres und umfangreicheres Angebot auf dem Markt zu finden ist. Dadurch wurden wirtschaftsstarke Länder wie Deutschland zu einer Konsumgesellschaft.
So steigt hier beispielsweise auch die Anzahl der jährlich gemeldeten Pkw (vgl. Ahlswede, Andreas (2020): Pkw-Bestand in Deutschland bis 2020.
Online: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12131/umfrage/pkw-bestand-in-deutschland/ (14.03.2020)). Diese treiben den Klimawandel noch weiter voran.
Ich kann festhalten, dass das Leben in einer dualistischen Gesellschaft vielerlei Auswirkungen verantwortet. Vor allem spielt diese eine entscheidende Rolle, wenn es um das Vorantreiben des Klimawandels geht. Um dem entgegenzuwirken, müssen wir alle zusammenhalten und auf unser Ökosystem achten. Jede/r einzelne Bewohner/in dieser Welt ist gefragt, um diesen hohen Ressourcenverbrauch und den damit zusammenhängenden Klimawandel zu verringern.
5. Gesellschaft im Monismus
Nachdem ich über die negativen Auswirkungen des Dualismus schrieb, möchte ich mich nun der oppositionellen Lehre des Monismus widmen. Sie sieht es vor, dass Mensch und Natur sich nicht gegenüber stehen, sondern sich als Einheit sehen. Schließlich stammt der Mensch aus der Natur. Sie sind also körperlich und geistig eine Einheit. Wenn wir Menschen in die Natur eingreifen, greifen wir somit auch gleichzeitig in unser Leben ein. Wie bereits erwähnt, besitzen nicht nur wir Menschen das Potential der absoluten Vernunft, die Natur tut es ebenso und folgt der Logik. Aufgrund dieser Verbindung wäre es nur vernünftig und logisch, die Natur zu bewahren (vgl. de Angelis (2016): 21 f.). Schließlich verdanken wir ihr unser Leben. Im Monismus ist es außerdem rational, andere Menschen als ebenwürdig anzusehen und sie nicht zu unterdrücken, wie es zur Zeit des Kolonialismus der Fall war.
Ich möchte nun ein Szenario beschreiben, wie der Monismus die Welt beeinflussen könnte. Gehen wir davon aus, dass sich der Mensch dem Tier nicht weiter übergeordnet fühlt. Es würde nur noch vegan gelebt, denn keiner gibt uns das Recht ihr Fleisch und ihre Erträge zu beanspruchen. Dadurch müssten sie nicht mehr in Massen gehalten und gezüchtet werden.
Die gehaltenen Tiere werden besonders viel mit Mais und Soja gemästet, welches angebaut werden muss: „Rund 30 Prozent der globalen Anbaufläche (500 Millionen Hektar) werden derzeit nur für die Futtermittelproduktion benötigt – mit steigender Tendenz.“, erklärt der WWF (WWF Magazin (o. J.): DAS GROSSE FRESSEN. Online: http://mobil.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Magazin-0215-Leseprobe-Das-grosse-Fressen.pdf (14.03.2020)). Hier wird die Tendenz der dualistischen Gesellschaft beschrieben, in der wir uns derzeit befinden. Die Tendenz für eine monistische Gesellschaft hingegen würde sinken. Dem beschriebenen Konsum müssten wir im Monismus nicht mehr in diesem Ausmaß gerecht werden. So würden besonders in den tropischen Ländern keine Wälder mehr abgeholzt werden, damit es genügend fruchtbaren Acker für den Futtermittelanbau gibt. Derzeit sieht die Lage folgendermaßen aus:
„Laut Schätzungen der Europäischen Kommission stammen mehr als 30 Prozent der importierten pflanzlichen und tierischen Lebensmittel aus tropischen Ländern, die dafür ihre Wälder zerstören“ (ebd.).
Im Monismus würden Wälder nicht mehr in diesem Maße abgeholzt werden, was zur Folge hätte, dass es dort kein Artensterben mehr gäbe und sich bedrohte Arten wieder erholen könnten. Ein weiterer Aspekt des Futtermittelanbaus für die Mast betrifft die Verwendung des raren Süßwassers: „In der Landwirtschaft werden zudem 70 Prozent des weltweit genutzten Süßwassers verbraucht, in Entwicklungsländern sogar bis zu 90 Prozent“ (ebd.). Mit der Rückentwicklung des landwirtschaftlichen Anbaus im Monismus wäre es möglich, den Menschen in Entwicklungsländern Anbindungen an das Süßwasser zu verschaffen, welches nicht weiter in diesem Ausmaß für die Landwirtschaft verwendet würde. Diese Anbindung wären zugunsten des Menschenrechtes auf Wasser. Die Weltbevölkerung wächst weiter an. Das Leben im Monismus kann helfen, dass wir nicht weiterhin über unsere ökologischen Verhältnisse leben. Für diese Reihung an positiven Auswirkungen auf die Natur und das Klima bedarf es lediglich einen veganen Lebensstil der Weltbevölkerung. Die Chance jedoch, dass jede/r der 7,7 Milliarden Menschen auf der Welt sich freiwillig zu dieser Lebensweise entscheiden würde, liegt bei null. Man müsste eine Regelung auf politischer Ebene finden. Das ist ein recht utopisches Szenario. Deshalb werde ich noch Möglichkeiten darlegen, mit denen jedes Individuum nach monistischen Prinzipien leben kann und so einen kleinen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten kann. Verbraucher/innen können Strom aus erneuerbaren Energien gewinnen. Die Kohleverbrennungen, die einen erheblichen Anteil der CO2-Emissionen in Deutschland ausmachen, würden mit abnehmender Nachfrage zurückgehen. Wir können unseren Plastikverbrauch bewusst reduzieren. Dieser benötigt nicht nur Erdöl und eine klimaunfreundliche Herstellung, sondern wird nach Gebrauch vermehrt in Deponien oder sogar in Gewässern gelagert. Es ist ebenfalls empfehlenswert, sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder anderen umweltfreundlichen Alternativen fortzubewegen. Ebenso kann man beim Einkaufen darauf achten, dass die Produkte einen geringen Transportweg hatten und dass sie unter fairen und nachhaltigen Verhältnissen produziert wurden.
Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten nach dem monistischen Prinzipien zu leben und so die Umwelt und das Klima zu schonen. Um unsere heutige dualistisch geprägte Gesellschaft in eine monistische umzuwandeln, erfordert es viel Vernunft, Disziplin und vor allem Zusammenhalt. Die globale soziale Bewegung „Fridays for Future“ ruft ebenso dazu auf.
6. „Fridays for Future“
Am 15. März 2019 nahmen besonders Schüler/innen und Studierende an der ersten weltweiten Demonstration von „Fridays for Future“ (FFF) teil. Es ist ein Streik, denn sie lassen ihre Unterrichtszeiten freitags ausfallen, um zusammen für strengere und schnellere Klimaschutz-Maßnahmen zu protestieren (vgl. Wikipedia (2020): Fridays for Future. Online: https://de.wikipedia.org/wiki/Fridays_for_Future (15.03.2020)). Besonders durch Initiatorin Greta Thunberg bekam diese Bewegung eine immense mediale Aufmerksamkeit. FFF stellt konkrete Forderungen an die Politik, damit die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 eingehalten werden können. Die Zielsetzung bezieht sich auf eine Begrenzung der globalen Erderwärmung auf unter 1,5°C. Unter anderem wird für Deutschland gefordert, dass es bis 2030 einen Kohleausstieg gib und die Energieversorgung bis 2035 allein durch erneuerbare Energieträger geschieht (vgl. Fridays for Future (o. J.): UNSERE FORDERUNGEN AN DIE POLITIK. Online: https://fridaysforfuture.de/forderungen/ (15.03.2020)). FFF agiert als Vorbildfunktion und erweckt Hoffnungen in Menschen. Viele Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, unterstützen diesen Streik und rufen dazu auf, am Streik teilzunehmen und den aktuellen Lebensstil zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen; mit großem Erfolg. „Fridays for Future“ ist ein Positivbeispiel für die Einleitung in eine monistische Gesellschaft. Die Bewegung startete am 20. August 2018 mit einer einzigen Person und erlangte in kurzer Zeit einen weltweiten Anklang. Wir können nur hoffen, dass diese Bewegung auch in Zukunft weiterhin große Erfolge erlangen wird.
7. Fazit
In meinem Fazit möchte ich auf meine Leitfrage zurückkommen: „Unsere dualistische Gesellschaft trägt viel zum Klimawandel bei. Könnte das Leben im Monos eine Lösung sein? Wenn ja, inwiefern?“. Nach ausführlicher Recherche kann ich die Leitfrage mit einem eindeutigen „Ja!“ beantworten. Ja, ein Leben nach monistischen Prinzipien kann durchaus eine Lösung zur Bekämpfung der Erderwärmung sein. Der Großteil der Weltbevölkerung lebt in einer dualistischen Gesellschaft, die unvernünftig handelt. Solch eine Trennung zwischen Subjekt und Objekt ist ein Fehler. Die Menschen griffen in die Natur ein und bemerkten viel zu spät, dass auch sie unter den Folgen leiden müssen. Einige Folgen listete ich bereits in der Einleitung auf. Das beweist, dass es keine Trennung zwischen Natur und Mensch geben kann. Wir müssen unsere Lebensweisen dringend ändern, hin zu einem rücksichtsvolleren Umgang mit unserer Umwelt. Die Philosophie hat die Aufgabe die Bevölkerung über die Vernunft aufzuklären und muss verdeutlichen, dass Subjekt und Objekt als Einheit gesehen werden müssen. Zudem muss sie als Vorbild agieren und aufzeigen, wie wir diese monistischen Prinzipien in die Praxis umsetzen können. In dem Szenario, dass ich beschrieb, bedarf es lediglich eine Umstellung zu einem veganen, gleichgestellten Lebensstil, um eine Reihung an positiven Wirksamkeiten hervorzurufen, die unser Weltklima schonen und die Erde retten können. Im Monismus zählt vor allem der Zusammenhalt, aber das bedeutet nicht, dass nicht jede/r Einzelne auch individuell nach monistischen Prinzipien leben könne. Wenn viele Individuen sich beispielsweise dafür entscheiden, kein Fleisch mehr aus Südamerika zu kaufen, sondern aus der Region, wird der Markt darauf reagieren und sein Angebot anpassen. Das passiert aber nicht durch reine Demonstrationen, sondern durch Taten. Zu diesen Taten ruft die Bewegung „Fridays for Future“ auf mit beträchtlichen Erfolg bislang. Auch auf Makroebene fordert sie Veränderungen, und zwar so schnell wie möglich.
Mit dem Monismus haben wir noch die Chance unseren Planeten zu retten, aber dazu müssen wir jetzt handeln!
Bibliografie
8.1. Literaturverzeichnis
De Angelis, Marco (2016): Philosophie für alle (1.0) : Manifest für die philosophische Identität des europäischen Volkes, Möhnsee: Phileuropa.
Jansen, Jan C. (2012): Kolonialismus, München: C.H.Beck.
8.2. Internetquellen
Ahlswede, Andreas (2020): Pkw-Bestand in Deutschland bis 2020. Online: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12131/umfrage/pkw-bestand-in-deutschland/ (14.03.2020).
Duden (o. J.): Ethik. Online: https://www.duden.de/rechtschreibung/Ethik (13.03.2020).
Fridays for Future (o. J.): UNSERE FORDERUNGEN AN DIE POLITIK. Online: https://fridaysforfuture.de/forderungen/ (15.03.2020).
NASA (2020): NASA, NOAA Analyses Reveal 2019 Second Warmest Year on Record. Online: https://www.giss.nasa.gov/research/news/20200115/ (08.03.2020).
Pflanzen, Forschung, Ethik (2017): Gentechnisch veränderter Bt-Mais – In der EU vor weiteren Zulassungen, in Deutschland verboten. Online: https://www.pflanzen-forschung-ethik.de/konkret/mais.html (14.03.2020).
Umweltbundesamt (2019): Earth Overshoot Day 2019: Ressourcenbudget verbraucht. Online: https://www.umweltbundesamt.de/themen/earth-overshoot-day-2019-ressourcenbudget (13.03.2020).
Wikipedia (2019): Dualismus. Online: https://de.wikipedia.org/wiki/Dualismus (12.03.2020).
Wikipedia (2019): Monismus. Online: https://de.wikipedia.org/wiki/Monismus (11.3.2020).
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Wikipedia (2020): Philosophie. Online: https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie (11.03.2020).
WWF Magazin (o. J.): DAS GROSSE FRESSEN. Online: http://mobil.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Magazin-0215-Leseprobe-Das-grosse-Fressen.pdf (14.03.2020).
Zeit (2019): Schon 1,5 Grad mehr in Deutschland. Online: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-11/erderwaermung-temperaturanstieg-deutschland-klimawandel-folgen (09.03.2020).
Zeit (2019): Weltweite CO2-Emission steigt langsamer. Online: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-12/studie-wachstum-co2-emission-weltweit-2019 (08.03.2020).
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