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2016b: ENDE ODER ZIEL DER GESCHICHTE DER PHILOSOPHIE?

2016b: ENDE ODER ZIEL DER GESCHICHTE DER PHILOSOPHIE?

 

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2016b

(November)

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DAS ENDE ODER DAS ZIEL DER GESCHICHTE DER PHILOSOPHIE?
INTERPRETATION DER GESCHICHTE DER PHILOSOPHIE
VOM GESICHTSPUNKT DER PHILOSOPHIE SELBST


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Kongressvortrag
(Universität Urbino)

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Videoaufzeichnung: ja
Video 1

Videos 2

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Gedruckte Veröffentlichung: Nein

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Digitale Veröffentlichung: ja, unten
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DAS ENDE ODER DAS ZIEL DER GESCHICHTE DER PHILOSOPHIE?
INTERPRETATION DER GESCHICHTE DER PHILOSOPHIE
VOM GESICHTSPUNKT DER PHILOSOPHIE


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0. Einleitung: Hegels Philosophie als Maßstab der Philosophiegeschichte: in bezug auf die methodische Grundannahme von Prof. G. Rinaldi "Die Ethik des modernen Idealismus"


Die neuesten Forschungs- und redaktionellen Bemühungen von Giacomo Rinaldi mit dem Titel "L’Etica dell’Idealismo moderno", das letzten Juli vom römischen Verlag Aracne herausgegeben wurde, bietet viel mehr, als der Titel vermuten lässt, denn es ist eine wahre Geschichte nicht nur der Ethik, sondern auch der Metaphysik gerade in der Moderne das Alter. Außerdem könnte es gar nicht anders sein, denn es ist nicht einmal denkbar, dass es eine Ethik ohne metaphysische Grundlage geben kann, zumindest für uns spekulative Denker und schon gar nicht, fern jeder Form von oberflächlichem Empirismus.  
Was die Arbeit aber in erster Linie präsentiert – und darauf wird sich mein Bericht konzentrieren – ist ein präziser Schnitt, eine klare Interpretationslinie, die sie zu einem einzigartigen Fall im aktuellen Panorama macht, sicherlich ganz anders als er ist So werden diese historiographischen Arbeiten heute üblicherweise gedacht und durchgeführt.
Der Autor geht in der Tat von einer Annahme aus, die in seinen früheren Arbeiten weit entwickelt und begründet ist, insbesondere z. Ethische Theorie von 2005 und Vernunft und Wahrheit von 2010, die ich ausführlich in dem Bericht behandelt habe, der letztes Jahr hier gehalten wurde und der bald in der angesehenen Zeitschrift unter der Leitung von Prof. Dr. Alfredo Marini, Lager der Philosophie. Es ist die Annahme, dass Hegels Philosophie als "Metaphysik des unendlichen oder absoluten Selbstbewusstseins" nicht nur der bisher vollständigste und erfüllteste Ausdruck des philosophischen Denkens ist, sondern dass sie die Erkenntnis des Absoluten enthält und daher als solche nicht überwunden werden kann. 
In Hegels reifem philosophischen System für Prof. Kurz gesagt findet Rinaldi nicht die persönliche Meinung eines einzelnen Denkers ausgedrückt, so einflussreich und offensichtlich von großem Ansehen, wie es Hegel zweifellos war, sondern die Wahrheit selbst, das Absolute. Kurz gesagt, beim Lesen von Hegel kommt man in Kontakt mit dem Absoluten, man lernt den logischen Aufbau der Welt kennen, also die metaphysischen Prinzipien des Seins ebenso wie die ethischen des menschlichen Lebens. 
Ausgehend von dieser starken, nicht neutralen Sichtweise, unter der Annahme, dass es eine neutrale Sichtweise geben könnte, hat Prof. Rinaldi führt in seinem Text eine Operation durch, bei der wir uns fragen müssen, ob sie historiographisch nachhaltig ist oder nicht, und was ihre philosophische Bedeutung ist: Er beurteilt die verschiedenen Denker sowohl vor als auch nach Hegel vom Standpunkt der Philosophie aus des Stuttgarter Denkers, also vom Standpunkt des absoluten Idealismus. 
Diese Art, die Geschichte der Philosophie zu betrachten, hat einen illustren Präzedenzfall, nämlich Hegels Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie! Dieser Teil des Hegelschen philosophischen Werkes ist in seiner Bedeutung innerhalb des Hegelschen philosophischen Systems und des absoluten Idealismus bisher wenig gewürdigt worden, wohl gerade deshalb, weil es sich um seine Lehren handelt und nicht um ein vom Philosophen zu Lebzeiten veröffentlichtes Werk. Um die Bedeutung dieser Hegelschen Behandlung der Philosophiegeschichte zu verstehen, die Prof. Rinaldi offensichtlich aufgreift und heute neu vorschlägt, ist es notwendig, für einen Moment zu überdenken, welche Bedeutung der Begriff der Geschichte der Philosophie innerhalb des Hegelschen Systems hat. Denn das ist die Quelle.
Die Geschichte der Philosophie ist für Hegel eine der Dimensionen der Darstellung des Absoluten in der Welt, insbesondere seiner Selbsterkenntnis. Das Absolute, als logisch-metaphysische Struktur alles Seienden, des parmenidischen Seins, aber auch des heraklitischen Werdens, existiert offenbar auch in nicht-selbstbewussten Lebensformen (Mineral- und Pflanzenreich) sowie in den Formen des Lebens ein begrenztes Bewusstsein (Tierreich), denn wenn dies nicht der Fall wäre, wäre es nicht absolut, es wäre durch etwas begrenzt, es wäre nicht unendlich, sondern endlich usw. usw. Kurz, alles, was ist, wird und wird nach den Gesetzen der Dialektik, die Hegel bekanntlich in der Wissenschaft der Logik dargelegt hat.
Aber in diesen materiellen Seinsformen existiert das Absolute in notwendiger und nicht freier Form, daher wirken die Kategorien, alles geschieht nach den dialektischen Prinzipien, aber es gibt keine Entscheidung, keine freie Wahl. Der Grund dafür ist, dass es in diesen Seinsformen kein Bewusstsein, kein Wissen um das Absolute gibt, kurz gesagt, es gibt das Absolute, aber es weiß nicht, dass es existiert. 
Der Vorgang der Philosophiegeschichte ist für Hegel gerade das langsame Erkennen des Absoluten, das sich im Menschen langsam entdeckt, erkennt. Diese Form der Selbsterkenntnis des Absoluten in seiner zeitlichen Entwicklung ist das Rückgrat der Geschichte der Philosophie, das heißt der Geschichte der Metaphysik. Darin entdecken die Menschen langsam die Kategorien, oder, was dasselbe ist, die Kategorien der Menschen im menschlichen Denken, also das Absolute, sie entdecken sich, sie offenbaren sich, sie präsentieren sich in der Welt, sie treten ans Licht, sie ans Licht der Selbsterkenntnis kommen.

QUELLE 1

“Die Geschichte,  die wir vor uns haben,  ist die Geschichte  von dem Sich-Selbst-Finden des Gedankens,  und bei dem Gedanken ist es der Fall,  daß er sich nur findet,  indem er sich hervorbringt,  ja,  daß er nur existiert  und wirklich ist,  indem er sich findet.  Diese Hervorbringungen  sind die Philosophien.  Und die Reihe dieser Hervorbringungen,  diese Entdeckungen,  auf die der Gedanke ausgeht,  sich selbst zu entdecken,  ist eine Arbeit von dritthalbtausend Jahren.”

G.W.F. Hegel, Werke, ​​​​Bd. 18, Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, Einleitung, Bestimmung der Geschichte der Philosophie, S. 23-24, Anm. 10, Suhrkampausgabe)

Hegels meisterhafte Idee in dieser Hinsicht ist, dass die Entdeckung einer Kategorie jedem wahren, authentischen Philosophen entspricht (z. B. Parmenides Sein, Heraklit Werden, Spinoza Substanz usw.). Auf diese Weise wird durch zweitausendfünfhundert Jahre philosophischer Arbeit das Absolute, das in nicht selbstbewusster Form in den ersten Menschen schon vorhanden war, selbstbewusst, es erkennt sich selbst, kurz gesagt, wird zu „absolutem Wissen’, ’absolutem Geist’.

QUELLE 2

"Nach dieser Idee behaupte ich nun, daß die Aufeinanderfolge der Systeme der Philosophie in der Geschichte dieselbe ist als die Aufeinanderfolge in der logischen Ableitung der Begriffsbestimmungen der Idee. Ich behaupte, daß, wenn man die Grundbegriffe der in der Geschichte der Philosophie erschienenen Systeme rein dessen entkleidet, was ihre äußerliche Gestaltung, ihre Anwendung auf das Besondere und dergleichen betrifft, so erhält man die verschiedenen Stufen der Bestimmung der Idee selbst in ihrem logischen Begriffe. Umgekehrt, den logischen Fortgang für sich genommen, so hat man darin nach seinen Hauptmomenten den Fortgang der geschichtlichen Erscheinungen; – aber man muß freilich diese reinen Begriffe in dem zu erkennen wissen, was die geschichtliche Gestalt enthält." 

G.W.F. Hegel, Werke, ​​Bd. 18,  Vorlesgungen über die Geschichte der Philosophie, Einleitung, Bestimmung der Geschichte der Philosophie, S. 49, Suhrkampausgabe)

Basierend auf dieser allgemeinen konzeption der philosophischen gedankengeschichte stellen sich einige fragen, denen wir hier nachgehen wollen, da ihre behandlung unabdingbar ist, um dann die frage nach der historiographischen nachhaltigkeit und nach der philosophischen bedeutung der methodischen annahme von prof. Rinaldi, das heißt, die verschiedenen Denker vom Standpunkt der Hegelschen Philosophie aus zu beurteilen. 


1. Wann sollte die wirkliche Geschichte der Philosophie (oder der Logik-Metaphysik, wenn wir genauer sein wollen, das heißt der kategorischen Selbsterkenntnis) beginnen?
2. Welches Verhältnis verbindet die verschiedenen philosophischen Systeme miteinander?
3. Wann soll es aufhören? Hat es ein Ende oder ein Ziel und wenn ja, in welchem ​​Sinne? 


1. Zum Beginn der Philosophiegeschichte: Wann soll die eigentliche Geschichte der Philosophie beginnen?
Der Beginn der Philosophiegeschichte kann nur mit dem Denker korrespondieren, der sich der ersten Kategorie, nämlich des Seins, bewußt wird. Daher ist Parma der Vater der Philosophie. Bis die Menschen zu dem entscheidenden Verständnis der Identität von Denken und Sein gelangen, das bekanntlich den zentralen Kern des parmenidischen Denkens darstellt, sind sie immer noch mit der Welt der Empfindungen verbunden, sie glauben, dass sensible Daten die Wahrheit liefern, und sie haben es deshalb nicht dennoch zum Begriff der Wahrheit als etwas Reinem (wie Kant später sagen würde), Kategorisches gelangt. Diesen Schritt kann nur der Denker tun, der diese Identität begreift, nämlich Parmenides: 
„… Es ist in der Tat dasselbe, zu denken und zu sein“ (Fragment 3, aus Diels-Kranz).

In diesem Zusammenhang ist es sehr interessant, die Position von Anaximander zu betrachten, dessen erstes Prinzip, das Apeiron, das Grenzenlose, der Hegelschen Kategorie der Unendlichkeit zu entsprechen scheint. 
Aus der Zeugung der Seienden kommt überdies dasjenige, zu dem sich der Notwendigkeit entsprechend auch das Verderben entwickelt: Die Seienden bezahlen sich nämlich die Strafe und Sühne für das Unrecht, nach der Ordnung der Zeit. (Anaximander [in Simplicius], fr. 12 B 1)
Meines Wissens gibt es noch keine wirkliche Studie, die sich mit dem Vergleich zwischen Hegels Logik und der Geschichte der Metaphysik beschäftigt, um die Hegelsche Annahme zu verifizieren und damit die notwendige Parallelität zwischen der Entwicklung von Kategorien und der Entwicklung philosophischer Systeme rigoros herzustellen. Dies ist jedoch die Grundannahme der Hegelschen Konzeption der Geschichte der Philosophie, wie wir zuvor gelesen haben. Solche Forschungen zu betreiben, wäre also sicherlich ein wichtiger Beitrag zur Hegel-Forschung, zur Hegelschen Forschung.


2. Zur Entwicklung der Philosophiegeschichte: In welchem ​​Verhältnis stehen die verschiedenen philosophischen Systeme zueinander?
Diese Frage der Entsprechung zwischen der Entwicklung von Kategorien in der Wissenschaft der Logik und der Entwicklung philosophischer Systeme in der Geschichte der Philosophie (die Hegel nicht in offizieller Weise geschrieben hat, also offensichtlich geschrieben werden sollte) ist sehr wichtig, da sie betrifft die Modalitäten der Entwicklung der Geschichte des philosophischen Denkens und damit der historiographischen Interpretation. Philosophische Systeme haben ihre Wurzeln und sind daher auf wirtschaftliche, politische etc. Zusammenhänge zurückzuführen. des Unternehmens, nach zB. die Doktrin des historischen Materialismus oder genießen sie diesbezüglich eine eigene Autonomie? Die Antwort aus Hegelscher Sicht ist klar: Philosophische Systeme entwickeln sich völlig unabhängig von historischen Bedingungen, sie sind durch dieselbe immanente logische Notwendigkeit miteinander verbunden, die die Kategorien verbindet.
Natürlich kann es historische Bedingungen geben, die das Aufblühen des philosophischen Denkens begünstigen oder behindern, aber sobald sich dies entwickelt hat, wird es die Form annehmen, die dem Grad der Entwicklung des Selbstbewusstseins beim Verstehen der eigenen kategorialen Struktur entspricht. 
Auch in dieser Hinsicht würde es einer guten Forschung bedürfen, um zu verstehen, wie die Geburt eines wahren philosophischen Systems historisch vor sich geht, und somit eine neue Kategorie zu entdecken, wie der Philosoph dem nicht entscheidenden Einfluss der Gesellschaft ausgesetzt ist, den es ebenfalls sicherlich gibt, und wie er dann stattdessen den entscheidenden der vorigen Philosophen erhält, dessen Gedanken er dann weiter entwickelt und fortträgt. Kurz gesagt, die Geschichte der Philosophie, betrachtet von einem hegelianischen und dialektischen Standpunkt aus, ist noch ein unerforschtes Gebiet.


3. Über das Ende (oder das Ziel) der Geschichte der Philosophie: Wann endet die Geschichte der Philosophie, wenn sie endet? 
Auf Grund der bisher gemachten Überlegungen kommen wir nun zum Schluß unserer Abhandlung über die Hegelsche Konzeption der Philosophiegeschichte. Wenn die Hegelsche Grundannahme der Entsprechung, der Parallelität zwischen der Aufeinanderfolge der logisch-metaphysischen Kategorien und der der philosophischen Systeme wahr ist, dann haben diese einen Anfang, eine erste Kategorie (Sein) und ein Ende, das offensichtlich der letzte Kategorie, in der Wissenschaft der Logik repräsentiert durch die absolute Idee, so auch die Geschichte der Philosophie, immer in ihrer tragenden Struktur von Logik-Metaphysik verstanden, wie sie bei Parmenides, demjenigen, der die erste Kategorie verstand, ihren Anfang hatte, so wird es haben ein „Ende“ in dem Philosophen, der die letzte Kategorie, die absolute Idee, verstehen kann. Nun ist dieser Philosoph offensichtlich Hegel selbst, 
Hegel konnte jedoch nicht so naiv sein zu glauben, dass mit seiner eigenen Philosophie die menschliche Wahrheitssuche im wahrsten Sinne des Wortes endete! Dazu ist es in der Tat notwendig, begrifflich genau zwischen „Ende“ und „Ziel“ der Philosophie zu unterscheiden. Unsere Sprache bietet zwei identische Begriffe, die jedoch unterschiedlichen Genres angehören und eine scheinbar ähnliche Bedeutung haben, aber eigentlich ganz unterschiedlich sind. Das „Ende“ von etwas betrifft sein Sein in der Zeit, also den Übergang von seinem Sein zu seinem Nicht-mehr-Sein, genau gemäß der Definition, die Hegel für diese beiden Kategorien des Seins-Nicht-Seins in den ersten Absätzen der Wissenschaft von gibt Logik. „Das Ziel“ von etwas ist vielmehr sein Zweck, auch eine Kategorie der Logik, die Hegel im Abschnitt über das Wesen behandelt. Das Ziel ist die Erfüllung des Prozesses, das Erreichen des Konzepts einer beliebigen Entität zu seiner eigenen Erfüllung, zu seiner eigenen Verwirklichung (Beispiel: Reisen). 
Wenn wir nun diese doppelte Kategorie das Ende - das Ziel unseres philosophiegeschichtlichen Diskurses aus idealistisch-dialektischer Sicht anwenden, können wir sagen, dass das Ziel des Prozesses der Philosophiegeschichte das absolute Selbstbewusstsein ist, d.h. Bewusstsein, zu dem das Denken gelangt, dass seine eigene kategoriale Struktur, die Idee in Hegels Sprache, das Absolute ist, das heißt, sowohl die subjektive Struktur des Denkens als auch das Objektiv der Realität. Die letzte Kategorie ist also nichts anderes als die Menge aller Kategorien in ihrem gegenseitigen Erkennen, der bekannte Grund, die absolute Idee genau. Der Mensch, der auf diese Weise die kategoriale Struktur der Vernunft kennt, hat auch das Absolute gekannt, und man kann kein höheres Wissen als dieses haben. 
Dieses volle Bewusstsein wird in der Hegelschen Logik-Metaphysik erreicht, da in ihr die Kategorien auf objektive, wissenschaftliche Weise bekannt sind, wie von Hegel in der Wissenschaft der Logik ausführlich dargelegt, unabhängig von dem Subjekt, das philosophiert und in diesem Sinne Wir haben es mit einem vollständigen, objektiven und endgültigen Wissen (offensichtlich in seinen allgemeinen Aspekten) des Absoluten zu tun. Im letztjährigen Bericht habe ich mich in dieser Hinsicht sowohl mit hegelianischen als auch mit renaldischen Passagen befasst.
Hegel ist sich dessen voll bewusst in seinen Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, in denen wir lesen:

Quelle 3

„An diesem Punkt ist also der universelle Geist angekommen, und jede Stufe hat ihre spezifische Form im wahren System der Philosophie: nichts geht verloren, alle Prinzipien werden bewahrt; die ultimative Philosophie und in der Tat die Gesamtheit der Formen. Diese konkrete Idee ist der Abschluss des Würgens des Geistes, in dem zweieinhalb Jahrtausende sehr ernsthaft daran gearbeitet haben, sich selbst objektiv zu werden, sich selbst zu erkennen.“

G.W.F. Hegel, Werke, Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie, Bd. 20, S. 455, Suhrkampausgabe)

Hegels Philosophie stellt also die Vollendung des Ziels der Philosophie dar, diese Wissenschaft hat in ihr, besonders in ihrer Logik-Metaphysik, ihren Zweck erreicht, indem das Absolute sich in seiner eigenen Form, als Vernunft, erkennt. Sie können nicht weiter gehen! Das Absolute, das Vernunft ist, weiß sich als solches, als Vernunft. Während in Kunst und Religion, den beiden anderen Arten der Präsentation des Absoluten in der Welt, des Selbstverständnisses des Absoluten, eine Lücke zwischen menschlicher endlicher Subjektivität (Intuition des Künstlers, Repräsentation des Gläubigen) und objektiver Rationalität besteht Form des Absoluten, dieser Unterschied, diese Diskrepanz wird in der Logik-Metaphysik vollständig beseitigt. Wenn diese Disziplin auf wissenschaftliche, objektive Weise entwickelt wird, wie Hegel glaubt und es richtig behandelt hat, dann ist das Absolute nicht dem Menschen, sondern ihm selbst „endgültig“ bekannt. In der dialektischen und wissenschaftlichen Logik-Metaphysik ist es tatsächlich das Absolute, das sich selbst und den Menschen kennt, der Philosoph ist nur ein Mittel für solches Wissen.
Das Bewusstsein, die Geschichte der Philosophie nicht zeitlich, sondern logisch abgeschlossen zu haben, durchzieht alle Werke Hegels von Jena an. Die Phänomenologie des Geistes stellt genau diese Ankündigung an die Welt dar: Meine Herren, das Absolute hat sich erkannt, hat sich der Welt vorgestellt: Das ist die Botschaft, die uns Hegel mit diesem Werk sendet, obwohl die Logik-Metaphysik schon im Kasten war er veröffentlichte es erst 1812. 
Aber auch in den Lektionen zur Geschichte der Philosophie lesen wir eine Stelle im gleichen Ton:

Quelle 4

"c) Dies ist nunmehr das Bedürfnis der allgemeinen Zeit und der Philosophie. Es ist eine neue Epoche in der Welt entsprungen. Es scheint, daß es dem Weltgeiste jetzt gelungen ist, alles fremde gegenständliche Wesen sich abzutun und endlich sich als absoluten Geist zu erfassen und, was ihm gegenständlich wird, aus sich zu erzeugen und es, mit Ruhe dagegen, in seiner Gewalt zu behalten. Der Kampf des endlichen Selbstbewußtseins mit dem absoluten Selbstbewußtsein, das jenem außer ihm erschien, hört auf. Das endliche Selbstbewußtsein hat aufgehört, endliches zu sein; und dadurch andererseits das absolute Selbstbewußtsein die Wirklichkeit erhalten, der es vorher entbehrte. Es ist die ganze bisherige Weltgeschichte überhaupt und die Geschichte der Philosophie insbesondere, welche nur diesen Kampf darstellt und da an ihrem Ziele zu sein scheint, wo dies absolute Selbstbewußtsein, dessen Vorstellung sie hat, aufgehört hat, ein Fremdes zu sein, wo also der Geist als Geist wirklich ist. Denn er ist dies nur, indem er sich selbst als absoluten Geist weiß; und dies weiß er in der Wissenschaft. Der Geist produziert sich als Natur, als Staat; jenes ist sein bewußtloses Tun, worin er sich ein Anderes, nicht als Geist ist; in den Taten und im Leben der Geschichte wie auch der Kunst bringt er sich auf bewußte Weise hervor, weiß von mancherlei Arten seiner Wirklichkeit, aber auch nur Arten derselben; aber nur in der Wissenschaft weiß er von sich als absolutem Geist, und dies Wissen allein, der Geist, ist seine wahrhafte Existenz.

Dies ist nun der Standpunkt der jetzigen Zeit, und die Reihe der geistigen Gestaltungen ist für jetzt damit geschlossen. -Hiermit ist diese Geschichte der Philosophie beschlossen."

G.W.F. Hegel, Werke, Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie, Bd. 20, S. 460-461, Suhkampausgabe)

In diesem Gedankengang hört man den Hegel von Jena, und es ist in der Tat ein gewisser Beweis aus dem jenenser Manuskript, von dem Michelet, der Herausgeber der Lektionen, uns erzählt, dass es dasjenige ist, das Hegel immer noch in Berlin zum Unterricht mitgenommen hat, war, kurz gesagt, sein ganzes Leben lang die Grundlage seines Unterrichts in Philosophiegeschichte geblieben. 
Diesbezüglich können wir sagen, dass die gesamte Philosophie der Aufklärung und des Idealismus, insbesondere Kant, aber auch Fichte und Schelling, wenn auch mit den Unterscheidungen, die Hegel bequemerweise im philosophiegeschichtlichen Unterricht trifft, dieses absolute Selbstbewusstsein repräsentieren und jene Züge eines einzigen Prozesses der Bewusstwerdung der absoluten Vernunft im Menschen, innerhalb dessen die verschiedenen Denker die letzten entscheidenden Stufen darstellen, die dann alle in der Wissenschaft der Hegelschen Logik zusammenlaufen. 
Die Tatsache, dass Hegel seine eigene Philosophie als Erfüllung nicht nur dieses glänzenden Zeitalters, sondern des gesamten Verlaufs von zweitausendfünfhundert Jahren Philosophiegeschichte darstellt, darf uns keineswegs dazu verleiten, ihn für einen arroganten oder anmaßenden Menschen zu halten. andererseits! An verschiedenen Stellen seiner Werke finden wir den Vergleich des Philosophen mit dem Arbeiter, der den letzten Stein eines Hauses setzt. Sicherlich hat er das Haus nicht selbst gebaut, viele haben es gebaut, sowohl die Arbeiter, die es physisch errichtet haben, als auch all diejenigen, die auf die eine oder andere Weise Materialien, Projekte usw. So ist es auch bei Hegel in der Geschichte der Philosophie: Der letzte Philosoph (wir sprechen immer von dem als Logiker-Metaphysiker verstandenen Philosophen, der eine neue Kategorie entdeckt) setzt nur den letzten Stein, entdeckt die letzte Kategorie, aber die eigene Philosophie enthält dann die Bausteine ​​aller anderen vorangehenden Philosophien, genau die anderen Kategorien, die sie entdeckt haben. Das Problem von Hegels Arroganz oder Anmaßung besteht also nicht, im Gegenteil, er war sein ganzes Leben lang als Mensch und als stets bescheidener Denker, ernsthafter Gelehrter und ebenso ernsthafter Lehrer nichts weiter.
Daher hat im Hegelschen philosophischen System, insbesondere in der Wissenschaft der Logik, die als Geschichte der Logik-Metaphysik verstandene Philosophiegeschichte ihr Ziel, ihre Vollendung erreicht. Natürlich können hier und da Verbesserungen in einzelnen Abschnitten und Kapiteln notwendig sein, aber sicher, dass die grundlegende Struktur des Werkes und sein allgemeines Konzept der Selbsterkenntnis des Absoluten in letzter Weise gültig sind, werden sie letztbegründet. 
Die eigentlich wichtige Frage, die sich hier stellt, ist also eine andere, nicht die nach dem Ende, sondern nach dem Ziel der Philosophiegeschichte. Aber wurde mit Hegel der letzte Stein in der Geschichte der Philosophie gelegt? Ist das Haus fertig? Gibt es keine weiteren Baupläne? Die Vernunft wird als das Absolute verstanden und das Absolute wird als Vernunft verstanden, also gibt es vom Standpunkt der Philosophie und der Logik-Metaphysik aus nichts mehr zu verstehen?
Dies ist sicherlich das zwingendste Problem, das interessanteste und auch dasjenige, dem wirklich originelle und wichtige Forschungen für die Menschheit gewidmet werden könnten. Schon Francis Fukuyama stellte in seinem schönen Text Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch die Hypothese auf, die dann vor allem im amerikanischen Raum eine gewisse Diskussion auslöste, dass der Untergang des Kommunismus die Wahrheit der Hegelschen Philosophie dekretierte, d.h. dass Freiheit und Demokratie das Ende der Geschichte darstellen und dass der westliche Liberale der letzte Mensch ist. So sehen wir, wie die Problematik der Interpretation der Philosophiegeschichte unmittelbare Konsequenzen auch auf ethisch-politischer Ebene hat und wie sie nicht nur für unser Theorie- und Wissensleben, sondern auch und vor allem für unser globales Gesellschaftsleben entscheidend ist.
Hegels Philosophie stellt meines Erachtens sicherlich nicht das Ende der Philosophie dar, vor allem, weil es heute einiges darin gibt, das überprüft, neu gedacht, neu geschrieben werden muss, wobei natürlich ihre Grundprinzipien erhalten bleiben. Es ist der Prozess der „Aktualisierung“ der Hegelschen Philosophie, das heißt, sie zu überdenken und einige Teile und Konzepte zu modifizieren, die eindeutig mit dieser Zeit verbunden sind und heute in dieser Form keinesfalls neu dargestellt werden können. Auch wenn wir jedes Wort, das er geschrieben hat, unendlich schätzen, auch wenn wir es nicht teilen, kommen wir heute nicht umhin, an Hegel zu denken, der immer noch 200 Jahre mehr Geschichte zu schätzen weiß. 
Aber das kann unbewusst und zwangsläufig nur so sein, gerade weil Hegel gelehrt hat, dass das Leben so ist, geprägt von Aufhebung. Daher kann Hegels Philosophie auf keinen Fall als das Ende der Geschichte der Philosophie angesehen werden, die weitergehen wird, wenn auch nur als Verständnis, Interpretation und Verbesserung seiner Philosophie. 
Aber nicht nur das natürlich! Eben weil bei Hegel das Absolute sich erkannt hat, endgültig in der Welt erschienen ist, will es sich jetzt verwirklichen, das heißt, es will eine ihm, seinem eigenen Begriff entsprechende Außenwelt, die des objektiven Geistes, bauen. Auf der Seite der Geschichte, der Ethik-Politik ist also viel, ja viel zu tun, es ist ein philosophischer Staat zu schaffen, der der Hegelschen Sittlichkeit entspricht.

So könnten wir, das Beispiel des Hauses aufnehmend, sagen:
- dass das Haus, von dem Hegel den letzten Stein setzte, gebaut ist und das Hegelsche philosophische System ist, wie es in der Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften zu finden ist; 
- dass es gepflegt, repariert, in einwandfreiem Zustand gehalten werden muss und dies die eigentliche Arbeit der Hegel-Forschung sein soll, also die Systempflege; 
- dass sie gelebt werden muss, Gäste hereingelassen werden müssen, das heißt, dass diese Philosophie gelehrt werden muss, sie muss in die Schulen gebracht werden und überall dort, wo es Menschen gibt, die der Wahrheit bedürfen;
- endlich, dass es verwirklicht werden muss, weil die Wahrheit, das Absolute, nicht umhin kann, sich selbst zu verwirklichen, sonst wäre es nicht absolut, es würde etwas aus sich herauslassen. Das bedeutet, den Garten zu bauen, das Haus auch von außen schön zu machen, das Äußere dem Inneren anzupassen (wollen wir nicht eine prächtige Villa in einem Vorort voller Dreck und Unterwelt bauen?).
Kurz gesagt, die Tatsache, dass Hegels Philosophie ihre Erfüllung, ihr Ziel erreicht hat, schmälert nicht ihre Fortsetzung in der Zeit, sondern gibt ihr jetzt sogar einen genauen, wohldefinierten und klaren Sinn. 
Kurz gesagt, im Hegelschen philosophischen System hat die Philosophie ihr Ziel erreicht, aber nicht ihr Ende!
Im Gegenteil, jetzt beginnt die eigentliche Arbeit, es geht darum, die gefundene Wahrheit zu pflegen, sie den neuen Generationen beizubringen und zu verwirklichen, um das Leben der Menschen zu verbessern, die Realität, die rohe Realität, an die Wirklichkeit anzupassen die wahre Realität nach den berühmten Hegelschen Kategorien. Was machen wir schon mit einer schönen Wahrheit, logisch perfekt, verschlossen in einem Buch und gelehrt in irgendeiner Akademie, aber mit einer Außenwelt, in der auch heute noch, in Zeiten von Sättigung und Überfluss, hilflose Kinder das haben nur weil sie am falschen Ort geboren wurden, sterben sie an der bösen Politik, die von herzlosen Menschen auf anderen Kontinenten beschlossen wurde?


4. Fazit: Die Hegelsche und Rinaldische idealistisch-absolut Methodenannahme als die einzig richtige Methodenannahme in der philosophischen Geschichtsschreibung
Zurück zur Ausgangsproblematik, ob es richtig ist, die Geschichte der Philosophie vom Hegelschen Standpunkt aus zu beurteilen Ansicht oder allgemeiner, des absoluten Idealismus, wie prof. Rinaldi in seinem Text zur Ethik des modernen Idealismus, und welche Bedeutung das hat, können wir anhand des bisher Gesagten präzise beantworten.
Bedenkt man, dass Hegels Philosophie und insbesondere seine Wissenschaft der Logik die Darstellung des Absoluten, also des Menschlichen sowie objektiver und struktureller Kategorien der Welt enthält, erscheint die historiographische Annahme als die einzige authentisch wissenschaftliche Betrachtungsweise der Geschichte der Philosophie. In der Tat, wenn wir nicht so vorgehen würden, d. h. diese Selbsterkenntnis des Absoluten als Bezugspunkt haben würden, würden wir riskieren, auf subjektive Weise zu beurteilen, welcher Denker das Recht hat, in die wirkliche Geschichte der Philosophie einzutreten, die zählt, die entscheidende, und die stattdessen einen solchen Erkenntnisfortschritt nicht hervorgebracht hat und ihn daher nicht verdient, da sie nicht zu einer solchen Selbsterkenntnis des Absoluten beigetragen hat.  
Wenn in der Tat die Geschichte der Philosophie zur Erkenntnis des Absoluten tendiert und dies in der Hegelschen Logik-Metaphysik vollständig bekannt ist, dann ist es offensichtlich, dass die verschiedenen Denker, die der Formulierung dieses absoluten Selbstbewusstseins vorausgehen, gewinnen nur Wert, insofern sie ihn vorbereiten, also eine Kategorie der absoluten Vernunft zur Kenntnis bringen und damit einen Stein auf das Gebäude setzen, von dem Hegel dann nur den letzten setzen wird.
Aber nicht nur die bisherigen Hegel-Denker sind danach zu beurteilen, dass sie durch die Entdeckung einer neuen Kategorie entscheidend zur Erkenntnis des Absoluten beigetragen haben, auch die nach Hegel sind idealistisch-absolut zu beurteilen, wenn auch offensichtlich anders. Und hier gibt es offensichtlich ein Element starker Originalität in der Arbeit von Prof. Rinaldi ist meines Erachtens das einzige Werk, in dem posthegelianische Denker von einem früheren Standpunkt aus interpretiert und beurteilt werden, dh von einem hegelianischen Standpunkt aus. Dies wäre offensichtlich nicht richtig, wenn nicht die absolute Wahrheit in der Hegelschen Philosophie zum Ausdruck käme. Nur dieser Glaube kann es ermöglichen, einen Philosophen vom Standpunkt einer früheren Philosophie aus zu beurteilen, 
Posthegelianische Denker können also in keiner Weise zur Erkenntnis des Absoluten beigetragen haben, die sie mit Hegel erreicht haben, aber sie haben vielleicht das Verdienst gehabt, es trotzdem am Leben zu erhalten, wenn auch magari, indem sie es nicht immer ganz richtig interpretiert haben und dem Geist des Meisters treu, sondern zum Beispiel. seine Einführung in den verschiedenen Nationen (daher hat der italienische Idealismus das Verdienst, den absoluten Idealismus in Italien, den englischen im angloamerikanischen Kontext usw. eingeführt zu haben). Andere Denker, die nach Hegel kamen, können im Gegenteil dafür beurteilt werden, dass sie mehr oder weniger von dieser Wahrheit abgewichen sind, dies kann zum Beispiel bei Nietzsche und Heidegger der Fall sein, denen Rinaldi offensichtlich eine ziemlich harte Behandlung vorbehält, 
Alle diese nachhegelianischen Denker gehören der Zeit nach der Erkenntnis des Absoluten an, also der Geschichte der Philosophie, die gewiss nicht endet, wenn sie ihr Ziel erreicht hat, sondern in der Zeit weitergeht, auch wenn ihr Ziel nun erreicht ist. Auch wir gehören offensichtlich dieser Zeit an!
Mit Bezug auf diese Frage nach dem Sinn der Geschichte der Philosophie nach ihrem Ende bzw. Ziel könnte eine lange und vielfältige Debatte eröffnet werden, da es  um den Sinn unserer Zeit letztenelich geht, um den Wert, den die Philosophie hat heute. Dies würde jedoch der sehr spezifischen Aufgabe dieses Berichts widersprechen, in dem ich hoffe, überzeugend argumentiert zu haben, da die geschichtsphilosophische Arbeit von Prof. Rinaldi in seinem Text sowohl eine Stärkung als auch eine Neuausrichtung in heutiger Tonart der von Hegel geleisteten geschichtsphilosophischen Arbeit, dies in Bezug auf die Geschichte der vorhegelischen Philosophie, andererseits ihre Erweiterung und Fortsetzung, im Gefolge der Hegelschen Methodenlehre, in Anlehnung an die Philosophiegeschichte nach dem Stuttgarter Denker, also nach Hegel.

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