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Schluss    Die philosophische Wahrheit und die heutige Welt

Schluss Die philosophische Wahrheit und die heutige Welt

 

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Schluss

 

Die philosophisch-idealistischen Wahrheit und die heutige Welt

 

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Auf den vorherigen Seiten haben wir die Grundlinien einer neuen Welt- und Menschenauffassung auf der Grundlage der letzten großen philosophischen Systemen (Kant, Hegel) nachgezeichnet. Das Ergebnis davon ist eine als neue Religion verstandene, rationale Philosophie, die zu unserer Zeit passt. Wir leben heute in einer auf Vernunft basierenden Epoche, die jedoch keinesfalls auf jegliche religiöse Orientierung, wenn auch im rationalen, also philosophischen Sinne, verzichten kann.

 

Das Grundprinzip der absoluten Vernunft, welches im ersten Teil der vorliegenden Schrift skizziert wurde, genügt beiden Eigenschaften: Es ist auf der einen Seite rational, weil es auf der Erkenntnistheorie und auf der Logik basiert; Andererseits ist es jedoch auch “religiös”, weil es sich als fähig herausstellt, die Welt, ihre logische Beschaffenheit und Entwicklung sowie die Stellung des Menschen in ihr zu erklären.

 

Wir haben auch gesehen, wie diese Auffassung vollkommen rationale, ethische Werte generiert, nämlich Staat, Familie und Arbeit, welche letztlich die Grundwerte darstellen, die dem Leben des Menschen auf der Welt einen Sinn geben und ihm ein möglichst unbeschwertes und glückliches Leben ermöglichen können.

 

Schließlich ist das Ergebnis dieses Buchs kleinen Umfangs, aber hoffentlich großer Reichweite, Hinweise über die Grundzüge einer philosophisch-religiösen Auffassung geliefert zu haben, welche es auf der Grundlage eines logisch strengen Ansatzes der Philosophie als Wissenschaft vermag, dem Menschen eine Orientierung für ein rationales Leben zu bieten, das während seines Erdendaseins auch realisierbar ist und ihm somit einen Sinn geben kann.

 

Diese Auffassung basiert auf dem letzten großen philosophischen System, dem hegelianischen nämlich, welches sprachlich verständlich und lebensnah dargestellt wurde. Es ist auch notwendig gewesen, dieses System zu überdenken und gegenüber Hegels Fassung in einigen Aspekten zu verbessern. Dabei haben wir uns auf die Essenz dieser Philosophie konzentriert und die verschiedenen Aspekte bezüglich der Zufälligkeit der historischen Bedingungen ihrer Formulierung außer Acht gelassen.

 

Unser Büchlein beabsichtigt, dem kulturell durchschnittlich gebildeten Menschen, der sein Leben ausschließlich rational ausrichten möchte, eine Orientierung zu geben, die ihn bei seiner Erdenerfahrung leitet, ihn in seinem Charakter bestärkt und so in ihm eine Grundweisheit schafft, ohne die er all die wichtigsten Ent­scheidungen, die sich ihm im Laufe seines Lebens stellen, nicht auf richtige Art und Weise zu treffen in der Lage wäre.

 

Von diesem Standpunkt aus gesehen, hat diese philosophische Auffassung das Ziel, demjenigen, der sich als Atheist fühlt oder keinen transzendenten Gott hat, an den er glaubt, eine rationale Religion zur Verfügung zu stellen. Denn der Atheismus kann nicht einfach nur traditionelle religiöse Prinzipien und Werte verneinen, sondern er muss auch in der Lage sein, selbst objektive Prinzipien und Werte vorzuschlagen, wenn er einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft üben will. Er muss auch eigene Werte zur Verfügung stellen und diese auf rationale Weise fundieren. Andernfalls wäre es ihm völlig unmöglich, insbesondere jungen Leuten dabei zu helfen, eine Orientierung im Leben zu finden, die auf soliden Lebensprinzipien und –idealen basiert.

 

Der größte Kritikpunkt, den man der Philosophie, insbesondere der idealistischen, oft vorwirft, ist der, dass sie eine Utopie ist bzw. eine Ansammlung von zwar wahren und schönen Begriffen und Idealen für das eigene Leben, die jedoch nicht oder nur schwer realisierbar sind.

 

Dieser recht allgemeinen Kritik kann man nur entgegensetzen, dass die Wahrheit schon selbst entscheiden wird, wann der richtige Moment gekommen ist, sich zu verwirklichen, nämlich dann, wann sie es für richtig hält. Zu denken, dass die Verwirklichung der Wahrheit bzw. des Absoluten von einem endlichen Seienden wie dem des Menschen – wenn auch in seiner Größe der weltweiten menschlichen Gesamtheit betrachtet – abhängig sein könnte, ist viel zu einfach. Der Mensch ist ein endlicher Teil des Unendlichen, auch wenn er dessen inneren Sinn darstellt, das ihm immanente Ziel. Aber wenn wir diesen hochtrabenden Satz aussprechen, meinen wir sicher keine spezifische und genau definierte Menschheit im Sinne einer Gruppe von Erdenbewohnern, sondern den allgemeinen Begriff des Menschseins als „rationales Seiende“, welches wer weiß wie viele andere Planeten bewohnt, in der Vergangenheit bewohnt hat oder in Zukunft bewohnen wird. Von diesem höheren Standpunkt aus gesehen, ist die aktuell auf dem Planeten Erde anwesende Menschheit nur eine winzige Komponente des Universums, wenn auch im Moment die einzige uns bekannte.

 

Das Absolute bzw. die Wahrheit braucht also den Menschen nicht, um sich zu verwirklichen. Somit zerlegt sich der Vorwurf der Utopie von selbst: Die Frage der Verwirklichung des Absoluten und der ethischen Wahrheit betrifft uns nicht. Wir Menschen sind im Universum zu unbedeutend, um uns den Gedanken anmaßen zu können, dass die Verwirklichung von etwas so Großem wie des Absoluten oder der Wahrheit von uns abhängen könne.

 

Nichtsdestotrotz haben wir Menschen durch die Philosophie das Absolute und durch die empirischen Wissenschaften die Welt und ihre Funktionsweise verstanden bzw. wir sind dabei, sie immer besser zu verstehen. Etwas haben wir also - wenn auch durch unsere physische Beschaffenheit begrenzt – vom Absoluten verstanden, und Weiteres werden wir noch verstehen.

 

Parallel haben wir auch - obwohl bisher nur teileweise – das Absolute  verwirklicht, da die Menschheit Staaten, Familien und bürgerliche Gesellschaften zustande gebracht hat, die eben als einen Anfang der Verwirklichung des Absoluten, der Vernunft und der substantiellen  Freiheit gelten können.

 

Aus diesem Grund scheint es Sinn zu machen, dass die Menschheit sich ernsthaft Gedanken darübermacht, ob sie das eigene Leben auf rationale Weise weiterhin ausrichten will, indem Sie einige Schritte macht, wie etwa die Errichtung eines freien und demokratischen Weltstaates, die das Werk der Verwirklichung des Absoluten vervollständigen. Das aber immer unter der Voraussetzung des Bewusstseins, dass die Verwirklichung des Absoluten sicher nicht von den Entscheidungen der Menschheit abhängen wird, aber ihr eigenes Leben, ihr Frieden, ihr Wohlergehen, ihre Unbeschwertheit wohl ja!

 

Die große systematische Philosophie, die durch die Gedanken Hegels ihren letzten Ausdruck erlangt hat, hat der Menschheit in über 2000 Jahren ununterbrochener Arbeit die Möglichkeit gegeben, ihre eigenen Kenntnisse und ihre eigenen Handlungen auf rein rationale Weise und konform mit der logischen Struktur der Welt auszurichten. Nun ist es an der Menschheit, diese Lehre zu verstehen, sie sich erst intellektuell zu eigen zu machen, um sie dann praktisch umzusetzen. Dabei sollte sie sich stets darüber bewusst sein, dass wenn sie dies tut, sie es nur für sich selbst tut, um die eigene begrenzte Erdenerfahrung besser zu leben, weil das Absolute selbst dafür sorgt, die absolute Wahrheit zu verwirklichen. Dies ist eigentlich keine Aufgabe des Menschen.

 

 

 

 

 

 

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