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1.1 ERSTE PHASE  Die Entstehung der Frage nach einer  ’Aufklärung des gemeinen Mannes’  (22. April 1

1.1 ERSTE PHASE Die Entstehung der Frage nach einer ’Aufklärung des gemeinen Mannes’ (22. April 1

 

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Marco de Angelis
(Autor des Textes dieser Seite)

 

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ERSTE PHASE

Die Entstehung der Frage nach einer

’Aufklärung des gemeinen Mannes’

(22. April 1785 - 7. Januar 1787)

Hauptquelle: Tagebuch

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Diese Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass das Grundproblem des gesamten hegelianischen Denkens auch noch danach auftaucht. Dies ist das Problem der Aufklärung des einfachen Mannes, das Hegel auf den letzten Seiten des Tagebuchs, das wahrscheinlich gegen Ende 1786 geschrieben wurde, explizit zum Ausdruck brachte. Hegel kam nicht plötzlich zur Formulierung dieses Problems, sondern durch einen langsamen Reifeprozess, der sich in drei Phasen vollzog.

 

Einteilung

 

Affirmation

Im ersten Stadium, das sich vom Beginn seiner intellektuellen Entwicklung (22. April 1785 nach den erhaltenen Unterlagen) bis zum 24. August desselben Jahres erstreckt,(1) wird das grundlegende philosophische Interesse des jungen Denkers umrissen. Es geht eindeutig um die Moral, d.h. um die Lebensweise der Menschen und die Prinzipien, die sie bestimmen. Die Lektüre des Tagebuchs, in dem Hegel seine Gedanken in dieser Phase seiner geistigen Entwicklung festhält,(2) offenbart ohne jeden Schatten eines Zweifels die aufklärerische Prägung seines Denkens in diesen Jahren. Er hält inne, um über die Lebensweise seiner Mitbürger nachzudenken, und kritisiert die Tatsache, dass die meisten von ihnen, selbst die Gelehrten, immer noch abergläubisch sind. Dieser Haltung setzt Hegel eine rationale und ausgewogene Haltung entgegen, die im Einklang mit der aufgeklärten Zeit steht.

 

Erste Negation

Im zweiten Stadium- vom 24. August 1785 bis zum 15. und 24. Februar 1786 - hält der junge Schüler des Stuttgarter Gymnasiums vor allem inne, um über den Sinn des Lebens, also über den Grundwert der Moral, nachzudenken. Dann dachte er über Themen nach, die dem Leben des einfachen Mannes sehr nahe stehen, wie Glück und Geselligkeit,(3) wie verschiedene Schriften - sowohl Tagebuchseiten als auch Auszüge - dokumentieren, die zu dieser Phase gehören und diese Begriffe direkt oder indirekt betreffen.(4)  Durch diese Überlegungen kommt er zu dem Schluss, dass der Sinn des Lebens für den einfachen Menschen im Glück liegt und dass Geselligkeit, d.h. die Beziehung zu anderen Menschen, der wichtigste Weg ist, dieses Ziel zu erreichen.  

 

Zweite Negation

Das dritte und letzte Stadium dieser Phase, als Negation der Negation, ist gekennzeichnet durch die Verschmelzung oder Synthese der beiden grundlegenden Konzepte der vorhergehenden Stadien, nämlich des Konzepts der Erleuchtung als Affirmation und des Konzepts des Glücks als Negation zuerst. Diese Synthese nimmt die Form einer Frage an, d.h. die Frage nach der Aufklärung des einfachen Menschen. Wenn nämlich Aufklärung oder, was dasselbe ist, Rationalität die richtige und ausgewogene Einstellung zum Leben ist, und wenn andererseits Glück das oberste Ziel ist, das im Leben erreicht werden soll, stellt sich die Frage, wie diese beiden Faktoren, die beide deshalb unabdingbar sind, miteinander in Einklang gebracht werden können. Das Problem betrifft nicht so sehr den gelehrten Menschen, der ohnehin durch Studien zur Rationalität kommt und darüber hinaus stellen die Gelehrten die Minderheit der Menschheit dar, sondern den einfachen Menschen, also die überwältigende Mehrheit der Menschen.  Diese Frage lässt sich am deutlichsten anhand der folgenden Frage stellen: Wie ist es möglich, den einfachen Menschen aufzuklären und ihn durch seine rationale Haltung zum Glücklichsein zu bringen?

 

Mit der Formulierung dieser Frage ist die Entwicklung des Hegelschen Denkens in dieser ersten Phase abgeschlossen.  Hegel fühlte sich jedoch noch nicht in der Lage, dieses Problem direkt anzugehen. Auf einer grundlegenden Seite des Tagebuchs stellt er in der Tat fest, dass die Vertiefung und Lösung dieser auch für Gelehrte schwierigen Frage für ihn dann noch schwieriger ist, da er die Geschichte noch nicht aus philosophischer Sicht und in der Tiefe studiert hatte.(5) Deshalb entwickelte der junge Denker von nun an diese Argumentation nicht mit Bezug auf den einfachen Menschen, sondern auf den gelehrten Menschen, d.h. er konzentriert sich auf die Aufklärung durch die Wissenschaften und die Künste. Er fühlte sich auf diesem Gebiet sicherer, nicht nur aus den von ihm selbst angeführten Gründen, sondern auch, weil ihm noch immer die nötige praktische Erfahrung fehlte, um das Leben des gemeinen Menschen zu verstehen. Er hatte bereits Studienerfahrung, so dass er das Gefühl hatte, die Frage auf dieser Ebene angehen zu können, näher an seiner täglichen Tätigkeit und seiner eigenen Persönlichkeit.  

 

FUßNOTEN

1) Zu den Gründen für diese Datierung sowie zu den folgenden Datierungen dieser Phase siehe Einfluß, 26 ss. 
2) In Einfluß wurde auch hervorgehoben, wie Hegel in jeder Phase der Entwicklung seines Denkens eine Form der Darstellung gegenüber den anderen privilegierte. In diesem ersten Stadium ist es das Tagebuch, das nicht nur quantitativ, sondern auch und vor allem qualitativ die Essenz seines Denkens enthält.
3) Deutsche Begriffe: "Glückseligkeit" und "Geselligkeit".
4) Eine Liste dieser Schriften findet sich in Einfluß, Anm. 40, S. 43.
5) Vgl. dazu den Hegelschen Text Einfluß, S. 44-45.  

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Video

Sitzung 9: 1.1 ERSTES STADIUM (2): Hegels ursprüngliches moralisches Interesse (22. April 1785 - 24.

1.1 ERSTES STADIUM (2): Hegels ursprüngliches moralisches Interesse (22. April 1785 - 24. August 1785)

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