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Schlussbemerkung

Schlussbemerkung

 

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Schlussbemerkung

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Den Anstoß zur Entwicklung des Hegelschen Denkens lieferte das Leben selbst, welches sicherlich nicht als trockene, theoretische und akademische Diskussion entstand. Schon im Alter von 22 Jahren versuchte der sehr junge Hegel mit sei-nen allerersten autonomen Überlegungen, die nicht zufällig, sondern bereits Vorboten seiner späteren Denkentwicklung darstellten, die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens zu beantworten. Verlieren die wichtigsten Momente des menschlichen Lebens, die Geburt, die Ehe, der Tod usw. ihre religiöse Be-deutung, so verlieren sie seiner Meinung nach überhaupt ihre Bedeutung:

„Religion ist eine der wichtigsten Angelegenheiten unsers Lebens. [...]; allen wichtigen Begebenheiten, Handlungen des Lebens [der Menschen], von denen ihr PrivatGlük abhängt, schon der Geburt, der Ehe, dem Tode und Leichenbe-gängnis wird etwas religiöses beigemischt.“ (GW 1, 83/3-17)

Die Aufgabe, die er sich schon seit seiner frühesten Jugend gestellt hatte und die er dank einer ausdauernden philosophischen Forschungsarbeit im Laufe der Jah-re auch lösen konnte, bestand im Verständnis des Sinns dieser Momente im Le-ben des Menschen - unabhängig von einer religiösen Ideologie, sondern allein aufgrund ihres philosophischen Begriffs.

Wie es also spontan aus dem Leben entstanden ist, so ist es nur richtig, dass das Denken Hegels auch  spontan, d.h. nach seiner eigenen inneren logischen Bewe-gung, wieder ins Leben zurückkommt. Der dialektischen Bewegung folgend ha-ben wir in diesem Kapitel zunächst den abstrakten Hegelschen Begriff des Ethos, den Begriff des Geistes, behandelt, dann seine konkrete Wirklichkeit, d.h. seine Anerkennung als die im Leben des Geistes wirkende Grundstruktur, vertieft und sind schließlich zur Behandlung des konkreten Begriffs des Ethos, d.h. des ethischen Lebens als eines glücklichen Lebens angekommen. 

Damit ist der dialektische Kreis geschlossen, und es gibt an dieser Stelle, was die Entwicklung und den authentischen Sinn der Hegelschen Philosophie betrifft, nichts mehr zu sagen.

Worte, so erahnte der schwäbische Philosoph und drückte es glücklich in einem schönen, seiner Frau gewidmeten Gedicht aus, dienen fast immer nur dazu, Schmerz auszudrücken, im philosophischen Sinne von Mangel, Widerspruch, Spaltung

 

„Doch armes Wort, der Lieb’ Entzücken,
Wie’s Innen treibt und drängt
Zum Herzen hinüber – auszudrücken –
Ist deine Kraft beschränkt.
Ich könnte, Nachtigall, dich neiden
Um deiner Kehle Macht,
Doch hat Natur die Sprache nur der Leiden,
Mißgünstig, so beredt gemacht.„ 

(Ros, 262)

 

Die Entzweiung zwischen Geist und Materie, Vernunft und Welt, Mensch und Natur ist aber jetzt dank Hegel überwunden, der spekulative Schmerz ist, soweit möglich, beseitigt worden und wir benötigen daher keine weiteren Worte. Nun ist es an uns, die Philosophie Hegels, ihre authentische Botschaft, also den absoluten und dialektischen Idealismus als dritte und letzte Religionsform der Menschheit, „in die Tat umzusetzen“.


Die Philosophie Hegels, aus dem Leben entstanden, muss nun ins Leben zurückkehren! 

 

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