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April - Juli 2026
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Online-Seminar
Einführung in Hegels
"Wissenschaft der Logik"
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Geleitet von
Dr. Marco de Angelis
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Liste der wichtigsten Punkte,
die behandelt werden.
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(In Grün sind die Punkte markiert,die
schon behandelt worden sind; in Hellblau die Zitate;
in Dunkelrot einige Anmerkungen von mir)
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Teil A (Abschluss) und B (Beginn)
Die revolutionäre Bedeutung der "Wissenschaft der Logik"
als ’universelle wissenschaftliche Theologie (Vernunftreligion)’ und
Grundlage einer neuen Epoche in der Geschichte der Menschheit
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6. Sitzung
(19.5.2026)
Hegels Abschluss des "System der Sittlichkeit" und des Gesamtsystems in Jena in den Jahren 1805/06
dank der Erarbeitung des Prinzips der Konstruktion und der Dialektik:
Der Begriff ’absoluter Geist’
(inkl. Forschungsfragen)
(Punkte 11.7-12)
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(Ab hier 1. Sitzung (14.4.2026): Hegels philosophisches System als Resultat der Geschichte der Philosophie bis 1831 von Punkt 0 bis 7)
0. Der Geist als Ort, an dem die Wahrheit in der Welt erscheint
1. Wahrheit als gut begründete logische Rekonstruktion der Begriffe in einem System (System der Welt - Materie - und System der Philosophie als dessen Ausdruck in Begriffen)
2. Die stringente Argumentation als Wesen der Philosophie und der Metaphysik (der Wissenschaft)
3. Die Geschichte der Philosophie und der Metaphysik als auf sich selbst aufbauende Abfolge von Theorien (Hegel und die Geschichte der Philosophie)
QUELLE 1: Philosophie ist keine Meinung, sondern Wahrheit (aus "Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie", Kapitel: "Die Geschichte der Philosophie als Vorrat von Meinungen") (hier)
"Somit stoßen wir denn sogleich auf die sehr gewöhnliche Ansicht von der Geschichte der Philosophie, daß sie nämlich den Vorrat von philosophischen Meinungen herzuerzählen habe, wie sie sich in der Zeit ergeben und dargestellt haben. (…) Diese Geschichte, so als eine Hererzählung von vielerlei Meinungen, wird auf diese Weise eine Sache einer müßigen Neugierde oder, wenn man will, ein Interesse der Gelehrsamkeit. Denn die Gelehrsamkeit besteht vorzüglich darin, eine Menge unnützer Sachen zu wissen, d.h. solcher, die sonst keinen Gehalt und kein Interesse in ihnen selbst haben als dies, die Kenntnis derselben zu haben.
Jedoch meint man zugleich, einen Nutzen davon zu haben, auch verschiedene Meinungen und Gedanken anderer kennenzulernen, – es bewege die Denkkraft, führe auch auf manchen guten Gedanken, d. i. es veranlasse etwa auch wieder, eine Meinung zu haben, und die Wissenschaft bestehe darin, daß sich so Meinungen aus Meinungen fortspinnen.
Wenn die Geschichte der Philosophie nur eine Galerie von Meinungen – obzwar über Gott, über das Wesen der natürlichen und geistigen Dinge – aufstellte, so würde sie eine sehr überflüssige und langweilige Wissenschaft sein, man möge auch noch so viele Nutzen, die man von solcher Gedankenbewegung und Gelehrsamkeit ziehen solle, herbei bringen. Was kann unnützer sein, als eine Reihe bloßer Meinungen kennenzulernen, was langweiliger? (…)
Eine Meinung ist eine subjektive Vorstellung, ein beliebiger Gedanke, eine Einbildung, die ich so oder so und ein anderer anders haben kann; – eine Meinung ist mein, sie ist nicht ein in sich allgemeiner, an und für sich seiender Gedanke. Die Philosophie aber enthält keine Meinungen; (…) Die Philosophie ist objektive Wissenschaft der Wahrheit, Wissenschaft ihrer Notwendigkeit, begreifendes Erkennen, – kein Meinen und kein Ausspinnen von Meinungen.
Die weitere eigentliche Bedeutung von solcher Vorstellung ist dann, daß es nur Meinungen sind, von denen wir die Kenntnis erhalten. Auf Meinung ist der Akzent gelegt. Das, was der Meinung gegenübersteht, ist die Wahrheit. Wahrheit ist es, vor der die Meinung erbleicht. Wahrheit aber ist auch das Wort, bei dem die den Kopf abwenden, welche nur Meinungen in der Geschichte der Philosophie suchen oder überhaupt meinen, es seien nur solche in ihr zu finden. Es ist ein Antagonismus von zweierlei Seiten, welchen die Philosophie hier erfährt. (…).
Wir können das, worauf es hier ankommt, in die einzige Bestimmung der »Entwicklung« zusammenfassen. Wenn uns diese deutlich wird, so wird alles übrige sich von selbst ergeben und folgen. Die Taten der Geschichte der Philosophie sind keine Abenteuer – sowenig die Weltgeschichte nur romantisch ist –, nicht nur eine Sammlung von zufälligen Begebenheiten, Fahrten irrender Ritter, die sich für sich herumschlagen, absichtslos abmühen und deren Wirksamkeit spurlos verschwunden ist. Ebensowenig hat sich hier einer etwas ausgeklügelt, dort ein anderer nach Willkür, sondern in der Bewegung des denkenden Geistes ist wesentlich Zusammenhang. Es geht vernünftig zu. Mit diesem Glauben an den Weltgeist müssen wir an die Geschichte und insbesondere an die Geschichte der Philosophie gehen."
4. Wie bei jeder anderen Wissenschaft, enthält die letzte Philosophie die Wahrheit, wie die Menschen diese bisher erkennen konnten.
QUELLE 2: Die letzte Philosophie enthält als Resultat die philosophische Wahrheit (aus "Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie", Kapitel: "Dritter Abschnitt. Neueste deutsche Philosophie. Resultat" (hier)
"Der nunmehrige Standpunkt der Philosophie ist, daß die Idee in ihrer Notwendigkeit erkannt, die Seiten ihrer Diremtion, Natur und Geist, jedes als Darstellung der Totalität der Idee und nicht nur als an sich identisch, sondern aus[ sich selbst diese eine Identität hervorbringend und diese dadurch als notwendig erkannt werde. Das letzte Ziel und Interesse der Philosophie ist, den Gedanken, den Begriff mit der Wirklichkeit zu versöhnen. (...)
Bis hierher ist nun der Weltgeist gekommen. Die letzte Philosophie ist das Resultat aller früheren; nichts ist verloren, alle Prinzipien sind erhalten. Diese konkrete Idee ist das Resultat der Bemühungen des Geistes durch fast 2500 Jahre (Thales wurde 640 vor Christus geboren), – seiner ernsthaftesten Arbeit, sich selbst objektiv zu werden, sich zu erkennen."
5. Der Begriff der Geschichte als Rückkehr der Idee zu sich selbst in Zeit und Raum eines Planeten (die Erde als Beispiel)
6. Die Idee als absolute schöpferische Vernunft (Grundprinzip der Wissenschaft der Logik)
7. Die Geschichte als Rückkehr der Idee zu sich selbst im Sinne der absoluten Vernunft, die im Menschen zu sich selbst gelangt, der Mensch als Sitz des absoluten Geistes
(Ab hier 2. Sitzung (21.4.2026): Dreiteilung des Systems der Welt und der Wahrheit in Idee, Natur und Geist - von Punkt 8 bis 9)
8. Einteilung des Systems der Philosophie und der Wahrheit
QUELLE 3: Das System der Wahrheit (und der Welt) teilt sich in Idee, Natur und Geist (aus: "Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften" (hier)
"§ 18
Wie von einer Philosophie nicht eine vorläufige, allgemeine Vorstellung gegeben werden kann, denn nur das Ganze der Wissenschaft ist die Darstellung der Idee, so kann auch ihre Einteilung nur erst aus dieser begriffen werden; sie ist wie diese, aus der sie zu nehmen ist, etwas Antizipiertes. Die Idee aber erweist sich als das schlechthin mit sich identische Denken und dies zugleich als die Tätigkeit, sich selbst, um für sich zu sein, sich gegenüberzustellen und in diesem Anderen nur bei sich selbst zu sein. So zerfällt die Wissenschaft in die drei Teile:
I. Die Logik, die Wissenschaft der Idee an und für sich,
II. Die Naturphilosophie als die Wissenschaft der Idee in ihrem Anderssein,
III. Die Philosophie des Geistes als der Idee, die aus ihrem Anderssein in sich zurückkehrt.
Oben § 15 ist bemerkt, daß die Unterschiede der besonderen philosophischen Wissenschaften nur Bestimmungen der Idee selbst sind und diese es nur ist, die sich in diesen verschiedenen Elementen darstellt. In der Natur ist es nicht ein Anderes als die Idee, welches erkannt würde, aber sie ist in der Form der Entäußerung, so wie im Geiste ebendieselbe als für sich seiend und an und für sich werdend. Eine solche Bestimmung, in der die Idee erscheint, ist zugleich ein fließendes Moment; daher ist die einzelne Wissenschaft ebensosehr dies, ihren Inhalt als seienden Gegenstand, als auch dies, unmittelbar darin seinen Übergang in seinen höheren Kreis zu erkennen. Die Vorstellung der Einteilung hat daher das Unrichtige, daß sie die besonderen Teile oder Wissenschaften nebeneinander hinstellt, als ob sie nur ruhende und in ihrer Unterscheidung substantielle, wie Arten, wären."
9. Was heißt ’Idee’ bei Hegel?
QUELLE 4: Hegels Auffassung einer objektiven reinen Wissenschaft
"Die reine Wissenschaft setzt somit die Befreiung von dem Gegensatze des Bewußtseins voraus. Sie enthält den Gedanken, insofern er ebensosehr die Sache an sich selbst ist, oder die Sache an sich selbst, insofern sie ebensosehr der reine Gedanke ist. Als Wissenschaft ist die Wahrheit das reine sich entwickelnde Selbstbewußtsein und hat die Gestalt des Selbsts, daß das an und für sich Seiende gewußter Begriff, der Begriff als solcher aber das an und für sich Seiende ist. Dieses objektive Denken ist denn der Inhalt der reinen Wissenschaft. Sie ist daher so wenig formell, sie entbehrt so wenig der Materie zu einer wirklichen und wahren Erkenntnis, daß ihr Inhalt vielmehr allein das absolute Wahre oder, wenn man sich noch des Worts Materie bedienen wollte, die wahrhafte Materie ist – eine Materie aber, der die Form nicht ein Äußerliches ist, da diese Materie vielmehr der reine Gedanke, somit die absolute Form selbst ist. Die Logik ist sonach als das System der reinen Vernunft, als das Reich des reinen Gedankens zu fassen. Dieses Reich ist die Wahrheit, wie sie ohne Hülle an und für sich selbst ist. Man kann sich deswegen ausdrücken, daß dieser Inhalt die Darstellung Gottes ist, wie er in seinem ewigen Wesen vor der Erschaffung der Natur und eines endlichen Geistes ist."
Und weiter:
"Ob nun das Logische zwar im Anfange des Studiums nicht in dieser bewußten Kraft für den Geist vorhanden ist, so empfängt er durch dasselbe darum nicht weniger die Kraft in sich, die ihn in alle Wahrheit leitet. Das System der Logik ist das Reich der Schatten, die Welt der einfachen Wesenheiten, von aller sinnlichen Konkretion befreit. Das Studium dieser Wissenschaft, der Aufenthalt und die Arbeit in diesem Schattenreich ist die absolute Bildung und Zucht des Bewußtseins. Es treibt darin ein von sinnlichen Anschauungen und Zwecken, von Gefühlen, von der bloß gemeinten Vorstellungswelt fernes Geschäft. Von seiner negativen Seite betrachtet, besteht dies Geschäft in dem Fernhalten der Zufälligkeit des räsonierenden Denkens und der Willkür, diese oder die entgegengesetzten Gründe sich einfallen und gelten zu lassen.
Vornehmlich aber gewinnt der Gedanke dadurch Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Er wird in dem Abstrakten und in dem Fortgehen durch Begriffe ohne sinnliche Substrate einheimisch, wird zur unbewußten Macht, die sonstige Mannigfaltigkeit der Kenntnisse und Wissenschaften in die vernünftige Form aufzunehmen, sie in ihrem Wesentlichen zu erfassen und festzuhalten, das Äußerliche abzustreifen und auf diese Weise aus ihnen das Logische auszuziehen – oder, was dasselbe ist, die vorher durch das Studium erworbene abstrakte Grundlage des Logischen mit dem Gehalte aller Wahrheit zu erfüllen und ihm den Wert eines Allgemeinen zu geben, das nicht mehr als ein Besonderes neben anderem Besonderen steht, sondern über alles dieses übergreift und dessen Wesen, das Absolut-Wahre ist."
(Aus: "Wissenschaft der Logik", hier)
(Ab hier: 3. Sitzung (28.4.2026): Antizipationen und Grundgedanken - Punkte 10.1 bis 10.3)
10. Antizipationen und Grundgedanken (aus anderen Werken Hegels)
10.1 Das Wahre ist das Ganze und das Ganze ist das Resultat
QUELLE 5: Das Absolute als Ganzes und das Ganze als Resultat
"Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, daß es wesentlich Resultat, daß es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt oder Sichselbstwerden zu sein. So widersprechend es scheinen mag, daß das Absolute wesentlich als Resultat zu begreifen sei, so stellt doch eine geringe Überlegung diesen Schein von Widerspruch zurecht. Der Anfang, das Prinzip oder das Absolute, wie es zuerst und unmittelbar ausgesprochen wird, ist nur das Allgemeine. Sowenig, wenn ich sage: alle Tiere, dies Wort für eine Zoologie gelten kann, ebenso fällt es auf, daß die Worte des Göttlichen, Absoluten, Ewigen usw. das nicht aussprechen,[24] was darin enthalten ist; – und nur solche Worte drücken in der Tat die Anschauung als das Unmittelbare aus."
(Aus: "Phänomenologie des Geistes", Vorrede, online hier)
Das Wahre ist das Ganze und das Ganze ist als Entwicklung, die zu einem Resultat führt, das schon am Anfang vorgesehen ist (ideelle Existenz). Das Wahre ist letztendlich das Resultat (wirkliche Existenz).
10.2 Korrespondenz von Vernünftigem (Logischem, Wissenschaftlichem) und Wirklichem
In diesem Bezug ist Hegels Formulierung von der Korrespondenz zwischen dem Vernünftigen und dem Wirklichen berühmt:
QUELLE 6: Über die Korrespondenz zwischen Vernünftigem und Wirklichem
„Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig.“
(Aus: "Grundlinien der Philosophie des Rechts", hier)
Sie bedeutet nichts anderes als dies: Das wissenschaftliche Denken, und die Philosophie ist für Hegel die höchste Wissenschaft, die Königin der Wissenschaften oder die Wissenschaft der Wissenschaften, ist das Vernünftige, das das Wirkliche ausdrückt. Das Wirkliche ist seinerseits die Umsetzung des Vernünftigen, der begrifflichen Struktur der Welt. Das Wirkliche und das Vernünftige fallen zusammen, wenn das Vernünftige natürlich die Wissenschaft, das strenge Denken, das Begründete, das Bewiesene ist.
10.3 Hegels Idealismus als ’dialektischer Monismus’
(Anmerkung: monistische und dualistische Perspektive in der Betrachtung der Welt)
Link zur Vertiefung: hier
(Ab hier: 4. Sitzung: Jena: Hegels Verwirklichung seines Jugendideals der Gründung einer neuen, auf Vernunft basierten Religion, um eine neue Epoche in der Geschichte der Menschheit einzuleiten (inkl. Forschungsfragen) (Punkte 11.1-12)
Link zur Vertiefung: hier
11.1 Dialektischer Monismus als universelle Vernunftreligion, Hegel als Umsetzer von Kants religionsphilosophischem Programm
Link zur Vertiefung: hier
11.2. Kants politisches Programm für einen ’ewigen Frieden’ (1795) durch eine Föderation freier Staaten und Hegels nicht formuliertes, doch implizites Programm eines solidarischen und freiheitlichen Weltstaates als Verwirklichung des Weltgeistes
Link zur Vertiefung: hier (ab Punkt 27, insbesondere Punkt 29: Die Frage nach dem Ort der Versöhnung zwischen dem Allgemeinen, dem Logos - und dem Individuellen, dem Menschen)
11.3: Jena die Entstehung der Frage nach dem Ort der absoluten Sittlichkeit
QUELLEN 7: Hegels Idee einer ’absoluten Sittlichkeit’ im "System der Sittlichkeit" (1802/03)
„[...] das Zurücknehmen der absoluten Realität in sich, als in eine Einheit; so daß dieses Zurücknehmen und diese Einheit absolute Totalität ist; ihre Anschauung ist ein absolutes Volk; ihr Begriff ist das absolute Einsseyn der Individualitäten [...]„
(GW 5, 279,20-23).
QUELLE 8: Der ’Volksgeist’’ als Ort der Sittlichkeit
„[...] das Besondere, das Individuum, ist als besonderes Bewußtseyn schlechthin dem Allgemeinen gleich; und diese Allgemeinheit, welche die Besonderheit schlechthin mit sich vereinigt hat, ist die Göttlichkeit des Volkes, und dieses Allgemeine in der ideellen Form der Besonderheit angeschaut, ist der Gott des Volks; er ist eine ideelle Weise es anzuschauen.“
(System der Sittlichkeit, GW 5, 326,9-13).
QUELLE 9: Zusammenfallen von Logos und Menschen in der absoluten Sittlichkeit
"Die Sittlichkeit muß mit völliger Vernichtung der Besonderheit und der relativen Identität, deren das Naturverhältniß allein fähig, absolute Identität der Intelligenz seyn; oder die absolute Identität der Natur muß in die Einheit des absoluten Begriffs aufgenommen, und in der Form dieser Einheit vorhanden seyn; Ein klares, und zugleich absolut klares Wesen; Ein vollkommenes sich Objektivseyn und Anschauen des Individuums in dem Fremden; also die Aufhebung der natürlichen Bestimmtheit und Gestaltung, völlige Indifferenz des Selbstgenusses; auf diese Weise ist der unendliche Begriff allein schlechthin Eins mit dem Wesen des Individuums, und dasselbe in seiner Form als wahre Intelligenz vorhanden; es ist wahrhaft unendlich, denn alle seine Bestimmtheit ist vernichtet; […] die Augen des Geistes und die leiblichen Augen fallen vollkommen zusammen; der Natur nach sieht der Mann Fleisch von seinem Fleisch im Weibe, der Sittlichkeit nach allein Geist von seinem Geist in dem sittlichen Wesen, und durch dasselbe".
Einige Zeile weiter dann setzt er so fort:
„In der Sittlichkeit ist also das Individuum auf eine ewige Weise; sein empirisches Seyn und Thun ist ein schlechthin allgemeines; denn es ist nicht das individuelle, welches handelt, sondern der allgemeine absolute Geist in ihm.“
(System der Sittlichkeit, GW5, S. 324-325)
Link zur Vertiefung: hier und hier
11.4 Hegels unschlüssige und fehlerhafte Theorie des Staates in den "Grundlinien der Philosophie des Rechts" 1820 sowie in der "Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften" 1830: die protestantische Monarchie als Ort der Versöhnung zwischen dem Absoluten und dem Menschen
Quelle 10: Hegel über Staat, Philosophie, Religion und Versöhnung
(Aus: "Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften", Anmerkung zum §552, im Internet hier)
„Der Staat, der sich auf gleiche Weise, aber früher als die Philosophie, aus der Religion entwickelt, stellt die Einseitigkeit, welche seine an sich wahrhafte Idee an ihr hat, in der Wirklichkeit als Verdorbenheit dar. Platon, gemeinschaftlich mit allen seinen denkenden Zeitgenossen, diese Verdorbenheit der Demokratie und die Mangelhaftigkeit selbst ihres Prinzips erkennend, hob das Substantielle hervor, vermochte aber nicht seiner Idee des Staats die unendliche Form der Subjektivität einzubilden, die noch vor seinem Geiste verborgen war; sein Staat ist deswegen an ihm selbst ohne die subjektive Freiheit (§ 503 Anm., 513 usf.). Die Wahrheit, welche dem Staate inwohnen, ihn verfassen und beherrschen sollte, faßt er darum nur in der Form der gedachten Wahrheit, der Philosophie, und tat so jenen Ausspruch, daß, solange nicht die Philosophen in den Staaten regieren oder [diejenigen,] die jetzt Könige und Herrscher genannt werden, nicht gründlich und umfassend philosophieren werden, so lange werde dem Staate keine Befreiung von den Übeln werden noch dem menschlichen Geschlechte; solange könne die Idee seiner Staatsverfassung nicht zur Möglichkeit gedeihen und das Licht der Sonne sehend Platon war es nicht verliehen, dahin fortgehen zu können, zu sagen, daß, solange nicht die wahrhafte Religion in der Welt hervortritt und in den Staaten herrschend wird, so lange ist nicht das wahrhafte Prinzip des Staates in die Wirklichkeit gekommen. So lange aber konnte dies Prinzip auch nicht in den Gedanken kommen, von diesem nicht die wahrhafte Idee des Staates erfaßt werden, – der substantiellen Sittlichkeit, mit welcher die Freiheit des für sich seienden Selbstbewußtseins identisch ist. Nur in dem Prinzipe des sein Wesen wissenden, des an sich absolut freien und in der Tätigkeit seines Befreiens seine Wirklichkeit habenden Geistes ist die absolute Möglichkeit und Notwendigkeit vorhanden, daß Staatsmacht, Religion und die Prinzipien der Philosophie in eins zusammenfallen, die Versöhnung der Wirklichkeit überhaupt mit dem Geiste, des Staats mit dem religiösen Gewissen, ingleichen dem philosophischen Wissen sich vollbringt. Indem die fürsichseiende Subjektivität absolut identisch ist mit der substantiellen Allgemeinheit, enthält die Religion als solche wie der Staat als solcher, als Formen, in denen das Prinzip existiert, in ihnen die absolute Wahrheit, so daß diese, indem sie als Philosophie ist, selbst nur in einer ihrer Formen ist. Aber indem auch die Religion in der Entwicklung ihrer selbst die in der Idee enthaltenen Unterschiede (§ 566 ff.) entwickelt, so kann, ja muß das Dasein in seiner ersten unmittelbaren, d.h. selbst einseitigen Weise erscheinen und ihre Existenz zu sinnlicher Äußerlichkeit und damit weiterhin zur Unterdrückung der Freiheit des Geistes und zur Verkehrtheit des politischen Lebens verdorben werden. Aber das Prinzip enthält die unendliche Elastizität der absoluten Form, dies Verderben ihrer Formbestimmungen und des Inhalts durch dieselben zu überwinden und die Versöhnung des Geistes in ihm selbst zu bewirken. So wird zuletzt das Prinzip des religiösen und des sittlichen Gewissens ein und dasselbe in dem protestantischen Gewissen, – der freie Geist in seiner Vernünftigkeit und Wahrheit sich wissend. Die Verfassung und Gesetzgebung wie deren Betätigungen haben zu ihrem Inhalt das Prinzip und die Entwicklung der Sittlichkeit, welche aus der zu ihrem ursprünglichen Prinzip hergestellten und damit erst als solcher wirklichen Wahrheit der Religion hervorgeht und daraus allein hervorgehen kann. Die Sittlichkeit des Staates und die religiöse Geistigkeit des Staates sind sich so die gegenseitigen festen Garantien.“
11.5 Hegels ursprüngliche und echte Theorie des Staates im "System der Sittlichkeit" (1802/03): die wahre, soziale und freiheitliche Demokratie als Ort der Versöhnung zwischen dem Absoluten und dem Menschen (religiöse und ethische bzw. religionsphilosophische Demokratie)
QUELLE 11: Der Schlußteil vom "System der Sittlichkeit" (1803) und Hegels Suche nach einer "freien Regierung" im Sinne einer authentischen, sozialen und durch eine ’rein sittliche Religion’ fundierten Demokratie
"C. Die freie Regierung
mögliche Formen einer freien Regierung. I. Demokratie, II. Aristokratie. III. Monarchie.
Jede ist fähig, unfrei zu sein, I. Ochlokratie, II. Oligarchie, III. Despotie; das Äußere. Mechanische ist dasselbe. den Unterschied macht das Verhältnis der Regierung zum regierten; ob das Wesen dasselbe und die Form der Entgegensetzung nur oberflächlich ist.
Die Monarchie ist die Darstellung der absoluten Realität der Sittlichkeit in einem Individuum, die Aristokratie in mehrern; sie unterscheidet sich von der absoluten Verfassung, durch Erblichkeit, mehr noch durch Besitztum, und weil sie die Form der absoluten und nicht ihr Wesen hat, ist sie die schlechteste, - Die Demokratie ist die Darstellung in allen, also Vermischung des Besitzes damit, und nicht Absonderung des absoluten Standes. Für die absolute Verfassung ist Form der Aristokratie oder Monarchie gleichgültig; sie ist auch Demokratie in den Ständen./
In der Monarchie muß eine Religion neben dem Monarchen stehen. Er ist Identität des Ganzen, aber in empirischer Gestalt; und je empirischer er ist, je barbarischer das Volk, desto mehr hat sie Gewalt und konstituiert sich unabhängiger. Je mehr das Volk eins mit sich selbst, der Natur und Sittlichkeit wird, desto mehr nimmt es das Göttliche in sich und verliert an dieser im widerstehenden Religion; und geht dann durch die Versöhnung mit der Welt und sich selbst durch die Phantasielosigkeit der Irreligion und des Verstandes durch.
In der Aristokratie ist dies ebenso, aber um ihrer Väterlichkeit, des allgemeinen begriffs willen ist wenig Phantasie und Religion.
In der Demokratie ist zwar absolute Religion, aber unbefestigte, oder vielmehr Naturreligion.; das Sittliche ist mit dem Natürlichen verbunden, und die Verknüpfung der objektiven Natur macht sie für den Verstand zugänglich; für das Setzen der Natur als ein objektives - Epikuräische Philosophie; - die Religion muß rein sittlich sein; so die Fantasie der absoluten Religion, so die Kunst, welche einen Jupiter, Apollo, Venus produziert hat; nicht die Homerische, wo Jupiter, Juno die Luft, Neptun das Wasser ist; - diese Trennung muß vollständig sein, die sittliche Bewegung Gottes absolut, nicht Versprechen und Schwächen, sondern absolutes Verbrechen, der Tod./"
Sehr interessant: Originalmanuskript hier, hier und hier!
(Ab hier: 5. Sitzung: Der Begriff ’Konstruktion’ als Kern der Dialektik und Lösung der Frage nach einer Befestigung der Demokratie durch eine rein sittliche Religion: Die "Logik-Metaphysik" (in Jena, später "Wissenschaft der Logik") ist eine solche ’Religion’ (Punkte 10.9)
11.6 Die dialektische Logik als die feste Grundlage der freien und sozialen demokratischen Regierung (erste Fassung der Logik-Metaphysik 1804-05 in Jena): Hegel gelingt es, die Demokratie ’durch eine rein sittliche Religion zu befestigen’
QUELLE 12: Der Begriff ’Construction’ als Kern der Dialektik
"Im absoluten Geiste ist Construction und Beweis absolut Eins. Jenes Theilen ist dasjenige, was in dem Beweise sich als Eins darstellt; in diesem nemlich ist die sichselbstgleiche Einheit und die Unendlichkeit was sich als Eins setzt; und diese beyden sind auch allein die Theile der Construction. Die Construction selbst ist nothwendig, als solche; denn sie selbst ist eins mit dem Beweise, oder der Geist ist an sich diß, daß er sich als Geist findet, und das worin er sich findet, oder vielmehr das, was er als sich findet, ist die Unendlichkeit; er ist nur als diß sich findende, und diß ist die Nothwendigkeit seiner Theilung in sich selbst, und in das Andre seiner selbst, was das für sichseyende absolute Andre, oder das Andre an ihm selbst, das Unendliche ist."
(GW 7, S. 174,4-13)
(Ab hier: 6. Sitzung: Hegels Abschluss des "System der Sittlichkeit" und des Gesamtsystems in Jena in den Jahren 1805/06 dank der Erarbeitung des Prinzips der Konstruktion und der Dialektik: Der Begriff ’absoluter Geist’
11.7 Begriff ’Konstruktion’ als Grundlage der "Wissenschaft der Logik" und des ganzen Systems
Der Begriff "Construction", den Hegel 1804-05 zum ersten Mal konzipiert, finden wir dann als Hauptbnegriff der Vorrede und der Einleitung zu seinem späten "Wissenschaft der Logik" (1812-16) sowie auch seines ganzen Systems, z.B. der "Enyzklopädie der philosophischen Wissenschaften" (1 Ausgabe 1817). Dieses System existierte aber schon 1805-06, obwohl in einer unveröffentlichten Form.
1804-05 ist also die Dialektik entstanden, dessen Kern eben der Begriff ’Contruction’ ist. Dabei handelt es sich um eine objektive, immanente Selbstkonstruktion der Sache selbst, wie Hegel mehrmals in seiner WdL ausdrücklich präzisiert. Es ist keine Meinung des Philosophen, sondern eine objektive Wahrheit, eben Wissenschaft. Auch bei Marx wird nicht anders sein. Er wird Hegels Theorie der Dialektik als immanente Konstruktion der Sache selbst komplett übernehmen, obwohl bei ihm die Sache selbst nicht etwas Ideelles ist, der Begriff, sondern etwas Materielles, die Wirtschaft und ihre Geschichte. Die Wirtschaftsformen der Organisation der Arbeit entwickeln sich voneinander (Sklavenhaltergesellschaft, feudale Gesellschaft, bürgerliche Gesellschaft bzw. Kapitalismus, schließlich Kommunismus als immanentes Ziel und Resultat der Wirtschaftsgeschichte). Für Marx ist die Sache selbst die Wirtschaft, die alles in der Gesellschaft bestimmt, auch die Religion und die Philosophie, während in Hegels ursprünglicher Theorie der Dialektik ist die Sache selbst etwas Ideelles, der Logos bzw. die Idee als System der Kategorien, die die Struktur des Denkens und des Seins ist, deshalb auch der Wirtschaft ist. Die Stufe des Selbstbewusstseins, die der Logos in der Geschichte allmählich erreicht und ’konstruiert’, bestimmt welche Gestalt, die Menschen, also der Logos selbst, der Arbeitswelt geben.
Es folgen hier einige Beispiele von Textstellen aus der Vorrede und der Einleitung zur WdL, in denen Hegel diesen Begriff als Hauptbegriff der Dialektik darstellt. Die Dialektik ist immanente Konstruktion der Sache selbst. Die Sache selbst ist in erster Linie der Logos (Wissenschaft der Logik), in zweiter Linie die Natur (Logos in seinem Anderssein) und der Geist (Logos in seiner Rückkehr zu sich). Das ganze System der Welt ist also eine Selbstkonstruktion. Die Welt ist die Sache selbst, die sich selbst konstruiert. So kann man Hegels Philosophie in wenigen Worten zusammenfassen.
QUELLE 13: Dialektik als ’sich selbst konstruirender Weg’
"Der Verstand bestimmt und hält die Bestimmungen fest; die Vernunft ist negativ und dialektisch, weil sie die Bestimmungen des Verstands in nichts auflöst; sie ist positiv, weil sie das Allgemeine erzeugt und das Besondere darin begreift. Wie der Verstand als etwas Getrenntes von der Vernunft überhaupt, so pflegt auch die dialektische Vernunft als etwas Getrenntes von der positiven Vernunft genommen zu werden. Aber in ihrer Wahrheit ist die Vernunft Geist, der höher als beides, verständige Vernunft oder vernünftiger Verstand ist. Er ist das Negative, dasjenige, welches die Qualität sowohl der dialektischen Vernunft als des Verstandes ausmacht; – er negiert das Einfache, so setzt er den bestimmten Unterschied des Verstandes; er löst ihn ebensosehr auf, so ist er dialektisch. Er hält sich aber nicht im Nichts dieses Resultates, sondern ist darin ebenso positiv und hat so das erste Einfache damit hergestellt, aber als Allgemeines, das in sich konkret ist; unter dieses wird nicht ein gegebenes Besonderes subsumiert, sondern in jenem Bestimmen und in der Auflösung desselben hat sich das Besondere schon mit bestimmt. Diese geistige Bewegung, die sich in ihrer Einfachheit ihre Bestimmtheit und in dieser ihre Gleichheit mit sich selbst gibt, die somit die immanente Entwicklung des Begriffes ist, ist die absolute Methode des Erkennens und zugleich die immanente Seele des Inhalts selbst."
(Aus: "Wissenschaft der Logik", Vorrede 1812, hier)
QUELLE 14: Die Sache selbst als Einheit von Denken und Sein, das objektive Denken
"Die reine Wissenschaft setzt somit die Befreiung von dem Gegensatze des Bewußtseins voraus. Sie enthält den Gedanken, insofern er ebensosehr die Sache an sich selbst ist, oder die Sache an sich selbst, insofern sie ebensosehr der reine Gedanke ist. Als Wissenschaft ist die Wahrheit das reine sich entwickelnde Selbstbewußtsein und hat die Gestalt des Selbsts, daß das an und für sich Seiende gewußter Begriff, der Begriff als solcher aber das an und für sich Seiende ist. Dieses objektive Denken ist denn der Inhalt der reinen Wissenschaft. Sie ist daher so wenig formell, sie entbehrt so wenig der Materie zu einer wirklichen und wahren Erkenntnis,[43] daß ihr Inhalt vielmehr allein das absolute Wahre oder, wenn man sich noch des Worts Materie bedienen wollte, die wahrhafte Materie ist – eine Materie aber, der die Form nicht ein Äußerliches ist, da diese Materie vielmehr der reine Gedanke, somit die absolute Form selbst ist. Die Logik ist sonach als das System der reinen Vernunft, als das Reich des reinen Gedankens zu fassen. Dieses Reich ist die Wahrheit, wie sie ohne Hülle an und für sich selbst ist. Man kann sich deswegen ausdrücken, daß dieser Inhalt die Darstellung Gottes ist, wie er in seinem ewigen Wesen vor der Erschaffung der Natur und eines endlichen Geistes ist."
(Aus: "Wissenschaft der Logik", Einleitung 1831, hier)
QUELLE 15: Die Wissenschaft re-konstruiert die Dalektik der Sache selbst (Vernunft), die Meinung ist das subjektives Denken (Verstand)
"Aber der reflektierende Verstand bemächtigte sich der Philosophie. Es ist genau zu wissen, was dieser Ausdruck sagen will, der sonst vielfach als Schlagwort gebraucht wird; es ist überhaupt darunter der abstrahierende und damit trennende Verstand zu verstehen, der in seinen Trennungen beharrt. Gegen die Vernunft gekehrt, beträgt er sich als gemeiner Menschenverstand und macht seine Ansicht geltend, daß die Wahrheit auf sinnlicher Realität beruhe, daß die Gedanken nur Gedanken seien, in dem Sinne, daß erst die sinnliche Wahrnehmung ihnen Gehalt und Realität gebe, daß die Vernunft, insofern sie an und für sich bleibe, nur Hirngespinste erzeuge. In diesem Verzichttun der Vernunft auf sich selbst geht der Begriff der Wahrheit verloren; sie ist darauf eingeschränkt, nur subjektive Wahrheit, nur die Erscheinung zu erkennen, nur etwas, dem die Natur der Sache selbst nicht entspreche; das Wissen ist zur Meinung zurückgefallen."
(Aus: "Wissenschaft der Logik", Einleitung 1831, hier)
QUELLE 16: Objektivität der Dialektik als ’Gang der Sache selbst" (dialektische Methode ?)
"Wie würde ich meinen können, daß nicht die Methode, die ich in diesem Systeme der Logik befolge – oder vielmehr die dies System an ihm selbst befolgt –, noch vieler Vervollkommnung, vieler Durchbildung im einzelnen fähig sei; aber ich weiß zugleich, daß sie die einzige wahrhafte ist. Dies erhellt für sich schon daraus, daß sie von ihrem Gegenstande und Inhalte nichts Unterschiedenes ist; – denn es ist der Inhalt in sich, die Dialektik, die er an ihm selbst hat, welche ihn fortbewegt. Es ist klar, daß keine Darstellungen für wissenschaftlich gelten können, welche nicht den Gang dieser Methode gehen und ihrem einfachen Rhythmus gemäß sind, denn es ist der Gang der Sache selbst."
(Aus: "Wissenschaft der Logik", Einleitung 1831, hier)
Sehr wichtig ist der Unterschied zwischen der objektiven, menschenunabhängigen immanenten Entwicklung der Sache selbst, die wir nur entdecken, aber nicht subjektiv gestalten und beeinflussen können, und dagegen die Meinungen, die der Philosoph, der ein Mensch ist und auch subjektiv denkt, über die Objektivität der Entwicklung der Sache selbst äußert. Hegel unterscheidet scharf zwischen diesen zwei Ebenen des philosophischen Diskurses und deshalb auch seiner Werken.
QUELLE 17: Subjektive und objektive Teile von Hegels Werken (sehr wichtig!!!)
"In Gemäßheit dieser Methode erinnere ich, daß die Einteilungen und Überschriften der Bücher, Abschnitte und Kapitel, die in dem Werke angegeben sind, sowie etwa die damit verbundenen Erklärungen, zum Behuf einer vorläufigen Übersicht gemacht und daß sie eigentlich nur von historischem Werte sind. Sie gehören nicht zum Inhalte und Körper der Wissenschaft, sondern sind Zusammenstellungen der äußeren Reflexion, welche das Ganze der Ausführung schon durchlaufen hat, daher die Folge seiner Momente vorausweiß und angibt, ehe sie noch durch die Sache selbst sich herbeiführen.
In den anderen Wissenschaften sind solche Vorausbestimmungen und Einteilungen gleichfalls für sich nichts anderes als solche äußere Angaben; aber auch innerhalb der Wissenschaft werden sie nicht über diesen Charakter erhoben. Selbst in der Logik zum Beispiel heißt es etwa, »die Logik hat zwei Hauptstütze, die Elementarlehre und die Methodik«; alsdann unter der Elementarlehre findet sich ohne weiteres etwa die Überschrift: Gesetze des Denkens; alsdann erstes Kapitel: von den Begriffen; erster Abschnitt: von der Klarheit: der Begriffe usf. – Diese ohne irgendeine Deduktion und Rechtfertigung gemachten Bestimmungen und Einteilungen machen das systematische Gerüst und den ganzen Zusammenhang solcher Wissenschaften aus. Eine solche Logik sieht es für ihren Beruf an, davon zu sprechen, daß die Begriffe und Wahrheiten aus Prinzipien müssen abgeleitet sein; aber bei dem, was sie Methode nennt, wird auch nicht von weitem an ein Ableiten gedacht. Die Ordnung besteht etwa in der Zusammenstellung von Gleichartigem, in der Vorausschickung des Einfacheren vor dem Zusammengesetzten und anderen äußerlichen Rücksichten. Aber in Rücksicht eines inneren, notwendigen Zusammenhangs bleibt es bei dem Register der Abteilungsbestimmungen, und der Obergang macht sich nur damit, daß es jetzt heißt: Zweites Kapitel, – oder: wir kommen nunmehr zu den Urteilen, u. dgl.
Auch die Überschriften und Einteilungen, die in diesem Systeme vorkommen, sollen für sich keine andere Bedeutung haben als die einer Inhaltsanzeige. Außerdem aber muß die Notwendigkeit des Zusammenhangs und die immanente Entstehung der Unterschiede sich in der Abhandlung der Sache selbst vorfinden, denn sie fällt in die eigene Fortbestimmung des Begriffes."
(Aus: "Wissenschaft der Logik", Einleitung 1831, hier)
12. Hegels Idee einer religionsphilosophischen Demokratie als Ziel der Zukunft der Menschheit: Die Pyramide der Geschichte und die philosophisch-idealistische Weltgesellschaft der Zukunft als Übergang von der Vorgeschichte zur echten Geschichte
Kommen wir aber nun zur Jenaer Zeit zurück, als Hegel 1805 dank der Erarbeitung des Begriffs ’Construction’ und der damit verbundenen Dialektik verstanden hatte, wie man die absolute Religion bzw. Vernunftreligion, also die reine Wissenschaft Gottes bzw. des Logos gründen kann. Er war jetzt endlich im Beistz einer festen Grundlage für eine echte philosophische Demokratie. Somit konnte er das "System der Sittlichkeit" endlich abschließen, was 1803 er unterbrechen musste.
Die sogenannte „Fortsetzung des Systems der Sittlichkeit“, die von Rosenkranz überliefert wurde, enthält Hegels Überlegungen im Anschluss an dem unvollendeten Abschluss des Manuskripts zum „System der Sittlichkeit“.
QUELLE 18: Hegel über die Epochen der Weltgeschichte nach seinem Biographen Karl Rosenkranz (Jena, etwa 1805)
„Die Religion muß, wie Hegel sich in der damaligen naturphilosophischen Modesprache ausdrückte, nach den allgemeinen drei Dimensionen der Vernunft innerhalb der klimatischen Modificationen nach ihrer empirischen Differenz weltgeschichtlich in folgenden drei Formen auftreten: 1) in der Form der Identität, in ursprünglicher Versöhntheit des Geistes und seines Reellseins in der Individualität; 2) in der Form, daß der Geist von der unendlichen Differenz seiner Identität anfange und aus ihr eine relative Identität reconstruire und sich versöhne; 3) diese Identität, unter jene erste absolute subsumirt, wird das Einssein der Vernunft in Geistesgestalt und derselben in ihrem Reellsein oder in Individualität als ursprünglich und zugleich ihren unendlichen Gegensatz und seine Reconstruction setzen.“
(GW 5, S. 460-461, 35-34)
Der Inhalt der dritten Phase besteht aus der letzten Stufe des religiösen Vorgangs, der Erhebung des endlichen zum unendlichen Bewusstsein, also des Menschen zu dem Absoluten, in dem die Menschheit also Übergang von der Sichtweise des empirischen und subjektiven Bewusstseins zu jener des reinen und absoluten Bewusstseins vollzieht. Hegel definiert diese Sichtweise mit folgenden Worten:
QUELLE 19: Hegel über die Philosophie als ’Aufhebung’ der Religion
"Nachdem nun der Protestantismus die fremde Weihe ausgezogen, kann der Geist sich als Geist in eigener Gestalt zu heiligen und die ursprüngliche Versöhnung mit sich in einer neuen Religion herzustellen wagen, in welche der unendliche Schmerz und die ganze Schwere seines Gegensatzes aufgenommen, aber ungetrübt und rein sich auflöst, wenn es nämlich ein freies Volk geben und die Vernunft ihre Realität als einen sittlichen Geist wiedergeboren haben wird, der die Kühnheit haben kann, auf eigenem Boden, und aus eigener Majestät sich seine reine Gestalt zu nehmen. – Jeder Einzelne ist ein blindes Glied in der Kette der absoluten Nothwendigkeit, an der sich die Welt fortbildet. Jeder Einzelne kann sich zur Herrschaft über eine größere Länge dieser Kette allein erheben, wenn er erkennt, wohin die große Nothwendigkeit will und aus dieser Erkenntniß die Zauberworte aussprechen lernt, die ihre Gestalt hervorrufen. Diese Erkenntniß, die ganze Energie des Leidens und des Gegensatzes, der ein paar tausend Jahre die Welt und alle Formen ihrer Ausbildung beherrscht hat, zugleich in sich zu schließen und sich über ihn zu erheben, diese Erkenntniß vermag nur Philosophie zu geben."
(GW 5, S. 465, 1-17).
Der Philosoph stellt also in diesem Absatz klar, dass die „dritte Religionsform“ der Menschheit die Philosophie sein muss, da sie die der Vernunft eigene Form ist, oder, anders gesagt, auf dem Wissen beruht und daher die absolute Religionsform ist (daher drittes und letztes Stadium der religiösen Entwicklung der Menschheit, nach der Naturreligion oder Polytheismus und der übernatürlichen oder Monotheismus). Der Protestantismus gehört zur noch zur zweiten Form der Religion, zum Monotheismus und muss deshalb ’aufgehoben’ werden (die fremde Weihe ausgezogen...). Rosenkranz schreibt zu dieser Thematik folgendes und kommentiert dabei den Text, den er noch besaß:
QUELLE 20: Rosenkranz über Hegel
“Obwohl nun Hegel damals, wie aus den vorstehenden Mittheilungen zur Genüge hervorgeht, den Protestantismus für eine eben so endlicher Form des Christenthums hielt, als den Katholizismus, so ging er deswegen doch nicht, wie Viele seiner Zeitgenossen, zum Katholizismus über, sondern glaubte, daß aus dem Christenthum durch die Vermittelung der Philosophie eine dritte Form der Religion sich hervorbilden werde.“
(GW 5, S. 464,20-24)
Aus diesem Grund ist es eindeutig, dass Hegel nie der Meinung gewesen ist, dass die Monarchie die richtige Form des Staates und der Protestantismus die richtige Form der Religion sind. Oder, anders gesagt, egal was Hegel als Mensch dachte, mit Sicherheit braucht der dialektische Idealismus als philosophische Einstellung weder die Monarchie noch die protestantische Religion, um die neue Epoche zu gestalten. Ganz im Gegenteil, gehören beide zur zweiten Stufe der Entwicklung der Religion und des Selsbtbewusstseins des Logos.
Hegels Auffassung der Entwicklung der Religion (idealistisch-dialektische Religionsphilosophie) lässt sich zumindest in seiner Jenaer Zeit wie folgt darstellen.
Religionsphilosophische Pyramide der religiösen Entwicklung der Geschichte des Menschheit nach Hegels Ansichten in der Jenaer Zeit:
Quellentext bei Hegel hier
(In: Karl Rosenkranz, Hegels Leben, im Internet hier)
Erklärung der Pyramide hier)
(Aufpassen: diese Pyramide ist ein Konstrukt von mir auf der Grundlage des Berichts von Rosenkranz und nicht von Hegel selbst!)
Link zur Vertiefung: hier (ab Punkt 7)
11.8 Das Kapitel über den absoluten Geist und der definitive Abschluß des Systems (1805-06): Hegels System (Idee-Natur-Geist) ist entstanden
1806: Hegel gelingt es endlich, sein System mit dem Kapitel über den absoluten Geist abzuschließen!
1807: Hegel veröffentlicht sein erstes Buch, die "Phänomenologie des Geistes", und verkündet der gesamten Menschheit, dass sich das Absolute offenbart hat und nach 2500 Jahren Philosophiegeschichte endlich erkannt wurde. Diese Erkenntnis des Absoluten, die eine Selbsterkenntnis ist, war in seinem Manuskript zur Logik-Metaphysik aus den Jahren 1804-05 enthalten, das er jedoch erst fünf Jahre später, im Jahr 1812, zu veröffentlichen begann und das erst 1816 vollständig erschien. Die "Phänomenologie des Geistes" ist also nicht das erste große Werk des reifen Hegels, sondern sein letztes Jugendwerk!
12. Forschungsfragen
- Aus welchen Gründen hat Hegel das Programm einer neuen sozialen, nicht ’ochlokratischen’ Demokratie in seinem Leben nicht umsetzen können oder wollen?
- Kant, Hegel und das deutsche Denken zwischen 18. und 19. Jahrnundert als Philosophie und Kultur des Friedens und der Versöhnung: Aus welchen Gründen entstand im 20. Jahrhundert bei den Deutschen eine kriegerische Haltung?
- Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Hegels Leben, insbesondere was die Zeit 1806-1831 betrifft, und der deutschen Geschichte von 1831 bis 1945?
- Kann es sein, dass ein Mensch bzw. ein Volk implodiert, wenn er bzw. es die objektive Wahrheit erreicht hat?
- Ist Hegel implodiert und sind die Deutschen nach ihm ebenso implodiert?
- Implosion, Duden: "schlagartige Zertrümmerung eines Hohlkörpers durch äußeren Überdruck"
- Ist die objektive Wahrheit eine zu schwere Last für einen Menschen allein oder für ein Volk allein?
- Hat ’der äußere Überdruck’ der damaligen Gesellschaft (Preußen) auf Hegel und später der Großmächte (damals Großbritannien, USA, F) auf Deutschland Interesse daran gehabt, die von Kant und Hegel erreichte objektive Wahrheit zu unterbinden, um eine philosophische Gesellschaft, also eine freiheitliche aber auch solidarische und gerechte deutsche und Weltgesellschaft zu verhindern? Wollten die damaligen liberalen westlichen Großmächte (GB, F, aber auch B, NL usw.) keine Versöhnung der Menschen miteinander, sondern nur Konkurrenz und Unterdrückung?
- War Hegel Opfer der damaligen Macht Preussens, das ihn eingeschüchtert hat, und später das deutsche Volk Opfer der Macht der kapitalistischen Großmächte (USA, GB, F), die den Nazismus mitfinanziert haben, um dem damals anstrebenden Kommunismus entgegenzuwirken und ihn einzudämmen? (Buch von Guido Giacomo Preparata, link hier und hier)
- Ganz allgemeine Frage: Macht-Menschen und Wahrheit-Menschen: Wie können die Wahrheit-Menschen die Macht-Menschen zur Wahrheit erziehen und somit sich von diesen schützen? Anders gesagt: Wie können Menschen, die nach der Wahrheit suchen, diejenigen, die nach Macht streben, zur Wahrheit erziehen und sich so selbst vor ihnen schützen?
- Haben Hegel und die Deutschen einen sehr hohen Preis für die objektive Wahrheit bezahlt, das diese zum Gemeinwohl aller Menschen, zur Versöhnung und nicht zur Unterdrückung führt?
- Gibt es immer noch heute zwei Westen, den individualistischen und konkurrenzorientierten Westen (USA, GB vor allem) und den solidarischen, kooperativorientierten Westen (DE, IT, aber auch GR, Spanien neulich auch)?
- Bezahlt der solidarische Westen als ’Kolonie’ des unsolidarischen Westens immer noch heute den Preis für die objektive Wahrheit (Kontinentalphilosophie gegen analytische Philosophie)?
- Gehört Nordstream auch dazu? Ist die Sabotage der Preis, den Deutschland und Europa zahlen mussten, da sie mit dem postkommunistischen Russland seit 1990 über drei Jahrzehnten unproblematisch und friedlich kooperiert haben? (äußerer Überdruck...)
- Befinden wir uns Deutsche, Italiener und Europäer vor der nächsten Implosion auf Grund des angloamerikanischen äußeren Überdrucks?
- Was hat die "Wissenschaft der Logik" damit zu tun? Die WdL als Grundlage einer neuen, friedlichen Epoche in der Geschichte der Menschheit (Übergang von der Vorgeschichte zur eigentlichen Geschichte und von den ideologischen Nationalstaaten zum philosophischen Weltstaat - Pyramide der dialektischen Entwicklung der Menschheit, s. oben) sowie Grundlage einer nicht-ochlokratischen Demokratie
- Ergebnis und Hauptgedanke des Teils A des Seminars: die "Wissenschaft der Logik" als Vernunftreligion des künftigen philosophischen Weltstaates zur Versöhnung der Menschen untereinander und mit der Natur!?
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