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Kreativer, Evolutiver, Dialektischer  Monismus

Kreativer, Evolutiver, Dialektischer  Monismus


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Kreativer, Evolutiver, Dialektischer  Monismus

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Die Antwort auf die Frage nach der Vernunft als Homogenitätsprinzip zwischen Subjekt und Objekt, Mensch und Natur, führt uns direkt zu einer monistischen Weltauffassung. All unsere Zweifel an der Möglichkeit einer objektiven Weltkenntnis und einer demzufolge objektiven Wahrheit haben ihren Ursprung in einer völlig falschen Perspektive, die oft angenommen wird, wenn man sich auf die Natur bezieht und somit auf die sogenannte “externe” Welt als Erkenntnisgegenstand. Dabei handelt es sich um eine dualistische Perspektive.

Wenn wir nämlich Subjekt und Objekt, Mensch und Natur, als zwei verschiedene und sich entgegengesetzte Entitäten betrachten, das eine außerhalb des anderen, gegenüber dem anderen, neben dem anderen o.ä. ist, dann kommt tatsächlich das Problem auf, dass man nicht weiß, in welche Beziehung man sie zueinander setzen soll, oder wie das Verstehen des Objekts seitens des Subjekts möglich sein soll, da es sich schließlich um offensichtlich heterogene Einheiten handelt (die Natur materiell, der Geist immateriell). Wenn wir aber Natur und Menschen, Objekt und Subjekt in ihrer richtigen Beziehung zueinander sehen, nämlich als Einheit, in dem Sinne, dass der Mensch von der Natur hervorgebracht wird bzw. dass sich das Subjekt aus dem Objekt herausbildet, dann unser Verständnis dieses Verhältnisses wird ganz anders.

Die Natur und das Objekt sind dem Menschen und dem Subjekt vorangestellt bzw. bilden aus einer logischen Perspektive ihre  Bedingungen oder aus einer physischen Perspektive die Voraussetzung für ihr Leben (es gäbe nämlich keinen Geist ohne Natur, kein Subjekt ohne Objekt). Aus dieser präziseren Perspektive, die Hegel in seiner Differenzschrift  (1801) zugunsten der objektiven Perspektiven Schellings gegenüber der noch subjektiven Perspektive Fichtes darstellt, sind Natur und Geist, Objekt und Subjekt eine untrennbare Einheit. Sie sind Prozess und Entwicklung, die in einem schrittweisen Übergang von einfacheren und mechanisch vorherbestimmten Lebensformen (Atomen, Molekülen, Mineralien, Pflanzen) zu komplexeren und selbstbestimmten  Lebensformen (Tieren und dann vor allem Menschen) von einer progressiven Steigerung der Freiheit und des Bewusstseins bestimmt werden.

Das, was existiert, ist also lediglich eine Totalität, das Sein, oder, wenn man es so definieren möchte, das Monos, das Eine, das auch das Ganze ist,  das sich von notwendigen und unbewussten Existenzformen zu freien und bewussten Lebensformen entwickelt.

Aus diesem präziseren Standpunkt aus betrachtet, soll man den dualistischen Blickwinkel außer Acht lassen, weil er dem genauen Verständnis des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur, Subjekt und Objekt im Wege steht und dies verhindert. Demgegenüber ist  eine monistische Weltauffassung vorzuziehen, die uns hingegen erklärt, warum wir als Menschen und Subjekte die Natur und das Objekt ‚Welt‘ wahrheitsgemäß verstehen können, und uns zeigt, wie wir dies am besten tun können.

Der dualistischen Interpretation der Beziehung zwischen Subjekt und Objekt zufolge stehen sich diese beiden gegenüber, d.h. betrachtet der Mensch die Natur als Objekt außerhalb von sich selbst. Diese Interpretation entspricht zum Beispiel der kantischen Philosophie, ist aber auch im Allgemeinen die unserer alltäglichen Denkweise. Dabei handelt es sich um die Art, die Beziehung zwischen Mensch und Natur zu betrachten, wie sie bereits in der Antike, dem Mittelalter und auch in der Neuzeit üblich war. Lediglich in der Gegenwart seit der Philosophie von Schelling und Hegel wie auch später mit der dialektisch-materialistischen Weltanschauung und mit dem Evolutionismus Darwins beginnt der Monismus sich auf intellektuellem und wissenschaftlichen Niveau klar durchzusetzen. Auch in der Antike und in der Moderne hat es monistische Weltauffassungen gegeben wie etwa die von Parmenides, Heraklit, Plotin. Diese wurden jedoch durch die sicherlich dualistische Weltauffassung des Christentums und der großen monotheistischen Religionen verdrängt. Dasselbe gilt hinsichtlich der Neuzeit, in der einige Philosophien, wie insbesondere die von Bruno und Spinoza, monistisch waren, ohne sich jedoch auch als allgemeine Weltauffassung durchsetzen zu können.

Erst mit der Überwindung der kantischen Philosophie durch den klassischen Idealismus zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert begann sich die monistische Weltauffassung in der Philosophie und in der Wissenschaft zu verbreiten und fand durch die empirischen Wissenschaften, besonders durch die Evolutionstheorien der Geologie (Lyell) und der Biologie (Darwin) immer mehr Berechtigung. Heute wissen wir, dass es ein Universum gibt, das sich entwickelt und zu einer bestimmten Entwicklungsstand dieser Entwicklung den Geist aus sich hervorbringt. Wir wissen daher, dass - auch wenn sie scheinen, sich gegenüberzustehen - Materie und Geist, Natur und Mensch, Objekt und Subjekt eine Einheit sind, zwei verschiedene aufeinanderfolgende Ausprägungen des Universums darstellen.

Deshalb hat Hegel in seinen Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte klar betont, dass man keine Philosophie betreiben kann ohne Spinozist zu sein bzw. ohne die Einheit als Grundlage für die Unterscheidung von Materie und Geist zu sehen:

 

“Im allgemeinen ist darüber zu bemerken, daß das Denken, der Geist, sich auf den Standpunkt des Spinozismus gestellt haben muß. Diese spinozistische Idee ist als wahrhaft, als begründet zuzugeben”.

(Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, in: G.W.F. Hegel Vorlesungen, Bd. 9, Hamburg 1986).

 

Aus dieser monistischen Perspektive ist das, was den Unterschied zwischen Materie und Geist, Objekt und Subjekt, bestimmt, nur der verschiedene Grad dessen, was die Identität von beiden bildet. Diese Identität ist der bestimmte gemeinsame Nenner, der ihre Erkenntnis möglich macht. Beide, Materie und Geist, Objekt und Subjekt sind Vernunft, aber auf verschiedenen Entwicklungsstufen, gekennzeichnet von größerer oder geringerer Notwendigkeit bzw. Freiheit, Bewusstsein bzw. Unbewusstsein. Die Materie und die Natur sind notwendige, unbewusste Vernunft (die Naturgesetze); Der Mensch und das Subjekt sind freie, bewusste Vernunft (die Ethik).

Es ist deswegen oberflächlich und falsch, Natur und Menschheit immer noch als nebeneinander- bzw. sich gegenüberstehend anzusehen, wenn man das derzeitige Niveau der wissenschaftlichen Erkenntnisse über die materielle Welt sowie die postkantische philosophische Entwicklung betrachtet. Die Menschheit wurde von der Natur hervorgebracht und ist mit ihr nicht nur aufgrund ihrer physischen und körperlichen Beschaffenheit, sondern auch durch ihr rationales und geistiges Wesen sehr eng verbunden. Denn auch die Natur ist “rational” – wie die Tatsache, dass wir ihre Kenntnis in Form von Gesetzen besitzen, welche sich anhand der Technik als “wahr” erweisen und uns ermöglichen, erfolgreich in ihre Prozesse einzugreifen –, nur dass es sich um eine Rationalität handelt, die unbewusst und notwendig bleibt. Das, was wirklich existiert und erst die Form der natürlichen Unbewusstheit und dann die der geistigen Bewusstheit annimmt, ist daher die Rationalität des Universums, des Monos. Es ist diese Rationalität, die zuerst die Form der Materie und dann die des Geistes annimmt.

Das Monos kann deshalb auch als Logos bezeichnet werden, weil es im Wesentlichen Rationalität ist, unbewusst als Materie, bewusst als Geist und mit verschiedenen Grades der Entwicklung dazwischen.

Dazu ist außerdem zu sagen, dass das Grundprinzip des Logos bzw. der absoluten Vernunft die Kreativität ist. Die absolute Vernunft ist Schöpferin, sie bringt alles hervor, was ist, sie kreiert das Monos, über das wir gesprochen haben, das Eins-Alles, das in seinem Inneren all jenes hat, was einen Anfang und ein Ende hat, die Welt also.

Dieses Prinzip hat einen maßgeblichen Einfluss auf unser praktisches Leben: Es bedeutet nämlich, dass unser rationales Wesen nicht darin besteht, dass wir fähig sind, zu verstehen, sondern vor allem, dass wir fähig sind, zu erschaffen. Unser Wesen ist das eines Schöpfers.  Das Verstehen selbst besteht im ‚Erschaffen‘: Wir erschaffen Begriffe und Konzepte, wir entwickeln Ideen und erklären Phänomene, auf diese Weise erreichen wir das Verständnis der Welt, also ‚verstehen‘ wir.

Der Begriff "Schöpfung" bezieht sich daher nicht nur auf etwas Praktisches, wie es normalerweise interpretiert wird (die Schaffung eines Kunstwerks zum Beispiel oder auch nur eines schönen Menüs usw.), sondern auch zu allen Manifestationen der theoretischen Tätigkeit des Menschen. Gedanken, Konzepte und Ideen, aber auch Erinnerungen sind ebenso ‚Kreationen‘, obwohl sie nicht mit den Sinnen wahrnehmbar sind.

Im Übrigen ist dies leicht verständlich, da dieselben materiellen und objektiven Schöpfungen, die dann außerhalb des schöpferischen Subjekts eine eigene Existenz erwerben, davor Begriffe, Ideen dieses Subjekts waren, das ihnen dann die äußere Existenz gegeben hat, das Leben. Die Kreativität, die zum Äußeren wird, war daher zuerst das Innere.

Unser Glück und unsere Selbstverwirklichung bestehen in nichts anderem als in der Schöpfung, in einem Leben als schöpferisches Wesen. Etwas zu schaffen bedeutet zunächst, etwas zu gedanklich zu konzipieren (eine Reise, ein Kunstwerk, eine Familie, ein Gesetz, ein handwerkliches Objekt usw.) und es dann mittels verschiedener Momente, d.h. Entwicklungsphasen oder -stadien, zu realisieren.

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